{"id":15210,"date":"2021-03-08T10:29:31","date_gmt":"2021-03-08T09:29:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.brachwitz.eu\/?page_id=15210"},"modified":"2022-01-21T11:31:52","modified_gmt":"2022-01-21T10:31:52","slug":"sagen-aus-dem-saalkreis","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.brachwitz.eu\/index.php\/sagen-aus-dem-saalkreis\/","title":{"rendered":"Sagen aus dem Saalkreis"},"content":{"rendered":"\n<p>Sagen und Geschichten haben immer eine ganz eigene Magie. Sch\u00f6n, dass ich auf dieses kleine Heft gesto\u00dfen bin, denn Sagen und Geschichten aus dem Saalekreis sind schon etwas Besonderes.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sagen aus dem Saalekreis<\/h2>\n\n\n\n<p>Aus der Tiefe menschlicher Sehnsucht nach einem Leben in Frieden und ein wenig Wohlstand fl\u00fcchteten sich einst die Tr\u00e4ume des unterdr\u00fcckten Volkes in die Sagenwelt. Das karge Leben der Dorfbewohner&nbsp; des Saalkreises, gemessen am Reichtum der Herrschenden von Kirche und Staat, erweckte W\u00fcnsche, die h\u00e4ufig nur in Sagen Erf\u00fcllung fanden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die in Unwissenheit gehaltenen Menschen kannten kaum die Zusammenh\u00e4nge der sie umgebenden Natur. Der Glaube an Geheimnisvolles erkl\u00e4rte auf seine Weise das Wirken der Naturkr\u00e4fte. Das weite Gebiet der Volkssage entstand. Das volkst\u00fcmliche Erz\u00e4hlgut umfa\u00dft all die bekannten Gestalten wie Hexen, Kobolde, Feen und verschiedene Gespenster. Wie ein Nebelschleier schwebte die \u201eWei\u00dfe Frau\u201c \u00fcber die Felder, durch W\u00e4lder oder in alten Gem\u00e4uern. Andere seltsame Gestalten standen den Menschen teils freundlich, oft aber auch sehr feindlich gegen\u00fcber. So fliegt eine g\u00fctige Fee in Gestalt einer wei\u00dfen Taube fruchtbringend \u00fcber die Fluren des Saalkreises. In den ehemaligen Kohlegruben bei Zscherben tritt die Gestalt des Grubenbesitzers als f\u00fcrchterlicher Berggeist auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom zentralen Punkt des Saalkreisgebietes, dem Petersberrg, gehen viele Sagen aus oder f\u00fchren aus den umliegenden D\u00f6rfern zum Petersberg. Der germanische Wettergott Donar hatte einst auf diesem Berg seinen Sitz, bis im 12. und 13. Jahrhundert christliche Missionare ihn zum Teufel erkl\u00e4rten. Gewaltige Felsbl\u00f6cke soll nun dieser Teufel nach den umliegenden christlichen Kirchen geschleudert haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie die Sage erz\u00e4hlt, f\u00fchrten einst unterirdische G\u00e4nge vom Petersberg zu einigen D\u00f6rfern der Umgebung. Ein M\u00f6nch\u201a umwallt von wei\u00dfem Haar und Bart, begab sich nachts durch diese G\u00e4nge, um das Vieh der Bauern zu pflegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Petersberg, ein Symbol f\u00fcr den Saalkreis, erhebt sich 10 Kilometer nord\u00f6stlich von Halle. Mit 250 Meter \u00fcber dem Meeresspiegel \u00fcberragt er aber nur 100 Meter seine n\u00e4here Umgebung. Einst war dieser Berg ein kahler Porphyrfelsen. Mageres \u201abraunes&#8216; Gras machte ihn d\u00fcster. Gro\u00dfe Teile des Berges waren im 19. Jahrhundert aufgeforstet, und ein herrlicher Wald bedeckt jetzt die Nordseite des Berges. Der S\u00fcdhang wird vom gro\u00dfen Steinbruch und von den H\u00e4usern der Gemeinde Petersberg bestimmt. Eine architektonische Sehensw\u00fcrdigkeit bietet die ehemalige Klosteranlage des Augustinerchorherrenstifts mit der um 1853 fast original wieder aufgebauten und restaurierten romanischen Basilika. Als um das Jahr 1000 eine alte Holzkapelle durch eine Steinkapelle zu Ehren Petrus ersetzt wurde, war auch der Name Petersberg im Entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschehnisse auf und um den Petersberg, das ausschweifende Leben der M\u00f6nche des Klosters im 16. Jahrhundert waren Anla\u00df zu allerlei Geschichten, deren Ursprung auf tats\u00e4chlichen Begebenheiten beruhten. Die Phantasie hat ihr \u00fcbriges dazu getan.<\/p>\n\n\n\n<p>Sagen sind ein wertvolles Spiegelbild der Kultur und Geschichte eines Volkes. Die alten Geschichten erwecken unser Interesse, weil wir aus diesen Zeugen der Volksdichtung die Lebenswelt vergangener Zeiten erfahren. Nicht zuletzt f\u00fchren uns die Sagen in gl\u00fcckliche Kindheit zur\u00fcck, wo Vater, Mutter oder Gro\u00dfmutter eine Welt vor uns auftaten, geheimnisvoll, m\u00e4rchenhaft und sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p>D\u00fcstere Wolken fliehen \u00fcber den mons sancti Petri hinweg, als wir, meine Frau und ich, die H\u00f6he des Berges erreichen. Durch die Ruinen der Klosteranlage hebt der Sturm und verf\u00e4ngt sich im alten Gem\u00e4uer. Als vor etwas \u00fcber 400 Jahren, am 31. August 1565, durch Blitzschlag der Turm der Kirche und die anderen Geb\u00e4ude, bis auf die alte Kapelle, vernichtet wurden, mag der Sturm ebenso getost haben, wie wir es heute erleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Wiederherstellung der Stiftskirche von 1853 bis 1857 war ein Bauwerk entstanden, das als sichtbares Zeichen einer bewegten Vergangenheit weithin die Silhouette des Petersberges bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der gro\u00dfe Brand auf dem Petersberg<\/h2>\n\n\n\n<p>Zu mittern\u00e4chtlicher Stunde klopfte ein einsamer Wanderer an das Tor des Augustinerstifts auf dem Petersberg und begehrte Einla\u00df. Die M\u00f6nche verwehrten jedoch den Zutritt, da sie gerade mit einigen Nonnen ein fr\u00f6hliches Fest feierten. Das sollte der Fremde nicht sehen. Der arme Wanderer blieb vor dem Tor und machte sich ein Feuer, um in dessen W\u00e4rme zu schlafen. Das Feuer erfa\u00dfte jedoch das Holztor und breitete sich schnell auf die ganze Klosteranlage aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer anderen Erz\u00e4hlung nach sollen Raubritter mit den M\u00f6nchen ein Fest gefeiert und im gro\u00dfen Saal des M\u00f6nchshauses ein Feuer entz\u00fcndet und um das Feuer getanzt haben, bis die Flammen pl\u00f6tzlich die Holzdecke erreichten. .<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der M\u00f6nch vom Petersberg<\/h2>\n\n\n\n<p>In der ganzen Umgebung ist der \u201eM\u00f6nch vom Petersberg&#8220; bekannt. Er soll in unterirdischen G\u00e4ngen nach Krosigk, L\u00f6bej\u00fcn, Wettin, Merbitz und Gutenberg gegangen sein und \u00fcberall das Vieh der Bauern gepflegt haben. F\u00fcr diese Dienste forderte der M\u00f6nch nur, da\u00df man freundlich zu ihm war.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab Leute, die behaupteten, den M\u00f6nch beim Mondesschein auf seinem Lieblingsfohlen reitend auf dem Gipfel des Berges gesehen zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die unsittlichen und ausschweifenden Gelage der M\u00f6nche hatten bei einem Bruder Besch\u00e4mung gegen\u00fcber der armen Saalkreisbewohner ausgel\u00f6st. Der M\u00f6nch, so erz\u00e4hlen sich noch heute die Leute, hat wohl aus diesem Grund den Bauern heimlich geholfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Die letzten Wolkenfetzen fliegen davon und die Sonne \u00fcberstrahlt das Land. In den T\u00e4lern bleibt noch ein wogender Nebelschleier liegen. Wie die Wipfel eines winterlichen Waldes sieht das aus. Einst war ja die weite Landschaft um den Berg von Wald bedeckt. Das Bergholz ist der Rest einer urspr\u00fcnglichen Waldvegetation. Diese bewaldete Flur birgt im Fr\u00fchjahr so manches Geheimnis der erbl\u00fchenden Bodenflora. Vom Hauch des Windes bewegt, wiegen sich wie im Elfenreigen zarte Gr\u00e4ser und Fr\u00fchlingsblumen. Der aufmerksame Wanderer entdeckt zwischen dieser schwingenden Musik der Gr\u00e4ser eine M\u00e4rchen- und Sagenpflanze, einen schweigenden Waldbewohner. Die D\u00e4mmerung der Baumgr\u00fcnde, die Stille unter B\u00fcschen, der Schutz des Grases sind bevorzugte Stellen, die er liebt. Die Sage hat ihren heimlichen Schimmer um ihn gesponnen, den Pilz. <\/p>\n\n\n\n<p>Zur Maienzeit finden wir besonders unter Buchen eine eigent\u00fcmliche Erscheinung. Da stehen in Ringen viele wei\u00dfe Pilze. Diese Ringe sind Wuchsformen des sich in der Erde strahlenf\u00f6rmig ausbreitenden Pilzgeflechts, an dessen Ende die Pilze hervortreiben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hexent\u00e4nze im Bergholz<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie sie da toben, wie sie da kreischen zu mittern\u00e4chtlicher Stunde und wirbelnd im Ring der wei\u00dfen Waldgnomen tanzen. Die Hexen vom Bergholz sind versammelt und ziehen zu Walpurgis zum Harz, zum Blocksberg. Die Knaben der D\u00f6rfer um den Petersberg reiten am Abend vor der Walpurgisnacht auf Stecken unter gro\u00dfem L\u00e4rm durch den Ort. Sie wollen die Hexen abschrecken, damit sie nicht in die H\u00e4user dringen. Drei Kreuze an der Haust\u00fcr sind ein sicherer Schutz.<\/p>\n\n\n\n<p>Die eigent\u00fcmliche Ringform der Maipilze wurden im Volksmund als Hexenringe bezeichnet. Oft sind mehrere solcher Ringe verschiedenen Durchmessers dicht beieinander. Dann fl\u00fcstert man sich zu: \u201eEs sind die Zaubertanzfiguren der Feen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen die Hand vor Augen halten, um nicht von der Sonne geblendet zu werden, wenn wir nun nach S\u00fcden schauen. Sanft zieht sich der Berg hinunter in die weite Ebene, die nur von einigen kleinen querliegenden H\u00f6henz\u00fcgen unterbrochen wird. So schaut die Spitze des Kirchturmes von Gutenberg zwischen zwei H\u00fcgeln vor den Seebener Bergen hervor. Beim Entdecken des h\u00fcbschen Dorfes Gutenberg von unserem Berge aus m\u00fcssen wir lachen: Ob wohl der habgierige Bauer noch in seiner Stube sitzt? Mindestens 500 Jahre ist es her. vielleicht auch l\u00e4nger. Doch was es damit auf sich hat, erz\u00e4hlt die folgende Sage.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Kobold von Gutenberg<\/h2>\n\n\n\n<p>Einst hatte ein Bauer aus Gutenberg einen Kobold in seine Dienste gezwungen, der ihm t\u00e4glich Geld und alles. was er sonst brauchte bringen mu\u00dfte. Wenn der Kobold mit Geld oder auch Speisen und feinen Weinen beladen in die T\u00fcr trat, rief der Bauer ihm jedesmal zu: \u201eLad nur ab und hol mehr!\u201c Und wenn dem Kobold auch oft vor Anstrengung der helle Schwei\u00df \u00fcbers Gesicht lief, so mu\u00dfte er sich doch gleich wieder aufmachen und erneut Geld heranschaffen. Eines Tages aber brachte er einen riesigen Sack voller Gold. Da rief der Bauer erfreut: \u201eLad ab und ruh aus! Das ist genug f\u00fcr heut und morgen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo ist es auch f\u00fcr immer genug\u201c, sprach der Kobold und lachte \u201eNun gnade dir, da\u00df du mich hast ausruhen lassen. Jetzt bleib ich hier, bis ein Priester, der von aller S\u00fcnde frei ist, mich hinwegbannt. Wir wollen uns in die Stube teilen. Du bleibst auf dieser Seite und ich auf der anderen Seite. Und wenn du zur T\u00fcr hinausschl\u00fcpfen willst, dreh ich dir den Hals um.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da wurde dem Bauer sehr Angst, und er rief um Hilfe, so da\u00df die Nachbarn zusammenkamen. Doch als sie den Kobold mit seinen funkelnden Augen in der Stube sitzen sahen, f\u00fcrchteten sie sich und blieben drau\u00dfen. Der Bauer erz\u00e4hlte ihnen sein Ungl\u00fcck und bat sie, ihm einen Priester zu senden, der den Kobold bannen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun kamen mehrere Jahre hindurch viele Priester, doch keiner konnte den Kobold vertreiben. Sobald einer auf die T\u00fcrschwelle trat und seine Bannformel sprechen wollte, rechnete der Kobold ihm seine S\u00fcnden vor. Einmal jedoch war der Bauer seiner Erl\u00f6sung sehr nahe. Da kam ein Priester, zu dem sagte der Kobold: \u201eDu h\u00e4ttest fast Gewalt \u00fcber mich. Du hast aber in deinem Leben doch eine S\u00fcnde begangen. Als Knabe hast du deiner Mutter ein Ei unter der Henne weggenommen, darum kannst auch du mich nicht bannen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>So sitzt denn der Bauer noch heute mit dem Kobold in der Stube. Obwohl er nichts i\u00dft und trinkt, kann er doch nicht sterben, sondern mu\u00df sitzen, bis ein Priester kommt, der frei von jeder S\u00fcnde ist und damit Macht \u00fcber den Kobold hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Petersbergern zum Beispiel h\u00e4tte ein Gold herbeischaffender Kobold auch nichts gen\u00fctzt, sie hatten ganz andere Sorgen. Dar\u00fcber berichtet die folgende Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Schwengelborn bei Nehlitz<\/h2>\n\n\n\n<p>Seit Jahrhunderten herrschte auf dem Petersberg Wassermangel. Wenn ein trockenes Jahr und ein harter Winter kam, dann schmolz der Wasservorrat des Brunnens am Nordhang des Berges, im sogenannten Baumgarten, schnell zusammen. Auch die Brunnen der umliegenden, D\u00f6rfer versiegten fast v\u00f6llig. Dann mu\u00dfte das Vieh aus dem Dorfteich getr\u00e4nkt werden, und die Bewohner erhielten je Familie aus dem sp\u00e4rlich flie\u00dfenden Brunnen zwei Eimer Wasser pro Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bauern vom Petersberg und der n\u00e4chstliegenden D\u00f6rfer machten sich daher auf und holten sich in gro\u00dfen K\u00fcbeln und F\u00e4ssern das Wasser von der kr\u00e4ftig sprudelnden Quelle aus Nehlitz. Der Born war mit Bruchsteinen ummauert und eine Schwengelpumpe erleichterte das Absaugen des Wassers. Sch\u00e4fer trieben ihre Herden zur Quelle und somit war diese Quelle auch bald als \u201eSchafstr\u00e4nke&#8220; bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Bohrung im Jahre 1930 auf dem Petersberg war nicht ergiebig genug. Der Anschlu\u00df an eine Versorgungsleitung von Nehlitz wurde nicht genutzt, da die hohen Baukosten den Wasserpreis auf 50 bis 60 Pfennig pro m3 erh\u00f6hten. Erst im Jahre 1953 blieb es nicht mehr bei Pl\u00e4nen. Im Rahmen des \u201eMach mit!\u201c- Wettbewerbes wurde der Bau der Wasserleitung im Felsen durchgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schwengelborn flie\u00dft heute noch. Kundige finden ihn zwischen wild wachsenden Str\u00e4uchern versteckt. Dort, wo ungef\u00e4hr der Born flie\u00dft, noch etwas mehr dem Bergholz zu, erscheint uns von der H\u00f6he des Petersberges aus die Landschaft heiter und lieblich. Und sie ist es auch. Wenn im Sommer das Korn reift, ist der Saalkreis von unbeschreiblicher Sch\u00f6nheit. Ein w\u00fcrziger Duft liegt dann \u00fcber den Feldern. Das Jubilieren der Lerchen wird begleitet vom Gesumm der vielen Insekten.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Mittagshitze solcher Sommertage entsteht durch ungleichm\u00e4\u00dfige Erw\u00e4rmung der Luft zwischen und \u00fcber den Halmen der Getreidefelder eine geringe Luftbewegung. Obwohl sich ringsum in Baum und Strauch kein Bl\u00e4ttchen r\u00fchrt, bewegen sich die \u00c4hren in sanften Wellenlinien.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese merkw\u00fcrdige Erscheinung erkl\u00e4rten sich die Menschen in alten Tagen mit einem Mittagsgespenst, der . . .<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Roggenmuhme<\/h2>\n\n\n\n<p>Dieses Gespenst schreitet um die Mittagszeit durch die Felder. Beim Durchschreiten setzt sie dann die Halme in leise wogende Bewegung. Einen Erntekranz schwingt sie dabei \u00fcber den \u00c4hren. Ihr Erscheinen l\u00e4\u00dft auf eine gute und fruchtbare Ernte hoffen. Die Kinder wurden aber gewarnt, nicht ins Korn zu gehen, um Feldblumen zu pfl\u00fccken und dabei \u00c4hren zu zertreten. Die Roggenmuhme w\u00fcrde die Kinder fangen, um sie zu bestrafen. In der Umgebung von Wettin ist es der Kornengel, vor dem die Kinder auf der Hut sein m\u00fcssen. Gehen sie zu tief ins Korn, tr\u00e4gt sie der Kornengel fort, und nie wieder kehren sie zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"859\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/CA3E6D01-2B4B-41E4-87E2-56EF64107870-859x1024.jpeg\" alt=\"Roggenmuhme\" class=\"wp-image-15447\" srcset=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/CA3E6D01-2B4B-41E4-87E2-56EF64107870-859x1024.jpeg 859w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/CA3E6D01-2B4B-41E4-87E2-56EF64107870-252x300.jpeg 252w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/CA3E6D01-2B4B-41E4-87E2-56EF64107870-768x915.jpeg 768w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/CA3E6D01-2B4B-41E4-87E2-56EF64107870.jpeg 1194w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Roggenmuhme <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Blicke schweifen nochmals \u00fcber die Felder von Nehlitz. Etwas weiter rechts davon, reihen sich entlang der Gotsche, die Orte Fr\u00f6\u00dfnitz, Wallwitz, Teicha und Sennewitz. Die Felder oberhalb von Nehlitz werden von einem tiefen Graben durchschnitten, was man aber von unserem Berg aus nicht erkennen kann. Von den 160 Meter hohen Schurzbuschbergen bis hinunter nach L\u00f6bnitz, zwischen Nehlitz und Teicha, zieht sich der Graben. Es ist der<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Teufelsgraben bei Nehlitz<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn der Teufel den Menschen Schaden zuf\u00fcgen kann, so tut er es. Einmal aber hat er sich verrechnet. Sein Werk brachte Frieden unter die Bewohner zweier verfeindeter Saalkreisd\u00f6rfer. Das kam so:<\/p>\n\n\n\n<p>Vor langer Zeit gab es oberhalb der Gemeinde Nehlitz, auf dem Weg in Richtung K\u00fctten, noch ein kleines Dorf, Schortewitz. Aus unergr\u00fcndlichen Ursachen waren die Bewohner beider D\u00f6rfer so sehr verfeindet, da\u00df es zu schweren Auseinandersetzungen kam. Grenzsteinversetzungen und gegenseitiger Landraub waren an der Tagesordnung. Nach einem Jahr der Mi\u00dfernte beschuldigte man sich der Hexerei, und der Kampf entbrannte aufs heftigste. Als sich die Gem\u00fcter wieder etwas beruhigt hatten und man glauben konnte, die Vernunft habe endlich gesiegt, geschah etwas Ungeheuerliches.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fr\u00fchjahrsst\u00fcrme tobten \u00fcbers Land. Der Wilde J\u00e4ger zog noch einmal durch die L\u00fcfte. Sein weithin schallender Ruf: Hede, hede, lie\u00df die sonst so mutigen Bauern erschaudern. In einer dieser st\u00fcrmischen N\u00e4chte bebte pl\u00f6tzlich die Erde. Funken stoben wie aus einem riesigen Schlund aus dem Inneren der Erde. Der Teufel fuhr aus der H\u00f6lle herauf. Er wollte sein Werk der Feindschaft zwischen den Nehlitzern und den Schortewitzern mit einem tiefen Graben zwischen den D\u00f6rfern kr\u00f6nen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem riesigen Hakenpflug, den ein Gespann feuriger Rosse zog, pfl\u00fcgte er, da\u00df sich dr\u00f6hnend und krachend die Schollen auf beiden Seiten zu einem meterhohen Wall auft\u00fcrmten. Die Rosse schnauften und spr\u00fchten schwefelgelbe Feuergarben aus ihren N\u00fcstern. Unter ihren gl\u00fchenden Hufen erbebte die Erde. Vom Schurzbach bis hinunter zur Drebsm\u00fchle bei L\u00f6bnitz zog der Teufel, wo er endlich prustend und zischend mit seinem Gespann im M\u00fchlteich versank.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie starrten am anderen Morgen die Nehlitzer und Schortewitzer auf den tiefen Graben zwischen ihren D\u00f6rfern. Im Graben pl\u00e4tscherte lustig ein klares Wasser. Die Bauern getrauten sich aber an das Wasser nicht heran. Ein Name war bald gefunden: Der Teufelsbach im Teufelsgraben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Heimliche Grenzsteinversetzungen und gegenseitiger Landraub kamen nun nicht mehr vor. Der Streit um die Grenze war mit einem Schlag entschieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Br\u00fccke \u00fcber den Bach anzulegen, fiel aber den Bauern nicht ein. Die alte Feindschaft war noch nicht begraben.<\/p>\n\n\n\n<p>An einem sonnigen Sommertage arbeitete ein junger Bursche aus Nehlitz auf dem Felde. Da ihn der Durst qu\u00e4lte und das kristallklare Wasser des Teufelsbaches lockte, \u00fcberwand er sich und trank daraus. Als er wieder aufschaute, stand jenseits des Baches ein wunderh\u00fcbsches M\u00e4dchen. Sie war die Tochter eines Schortewitzer Bauern. Sie schauten sich lange an, und der Funke der Liebe entz\u00fcndete in beiden jungen Menschen ein helles Feuer. Der Bursche aus Nehlitz sprang beherzt \u00fcber den Bach und holte sich die kleine Schortewitzerin als Braut heim nach Nehlitz. Die Jugend hat das Eis der Feindschaft gebrochen. Bald war die letzte Sch\u00f6ne des m\u00e4dchenreichen Schortewitz von den Nehlitzer Burschen geheiratet. Der Teufel aber hat sich geschworen, nie wieder zu pfl\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Verschwunden ist der Teufel nicht. Die Freude, B\u00f6ses zu tun, gibt es auch heute noch. Das ist aber die selten gewordene Ausnahme. Allen Menschen, denen wir bei unseren Nachforschungen nach Geschichten und Sagen begegneten, kamen uns freundlich und hilfsbereit entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Teufel mu\u00df ja in alten Zeiten ungeheure Kr\u00e4fte gehabt haben. Wie konnte er sonst die gewaltigen Steine vom Petersberg nach den Kirchen der D\u00f6rfer des Saalkreises geworfen haben? Man stelle sich vor: ein Fels, mehrere Tonnen schwer, wird von ihm angehoben, wobei sich seine Klauen tief darin abdr\u00fccken, und dann wirft er ihn mit gro\u00dfer Wucht kilometerweit. In Sennewitz, einem ruhigen Dorf in der N\u00e4he von Gutenberg, liegt neben der Kirchhofsmauer, am Stra\u00dfenrand solch ein Stein. Es ist<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">der Teufelsstein zu Sennewitz<\/h2>\n\n\n\n<p>In Sennewitz liegt seit urgedenken dieser gewaltige Fels, ein \u00dcberbleibsel aus der Eiszeit. Von dem, was herausragt, soll noch vier- bis zehnmal soviel in der Erde stecken. F\u00fcr heidnische Br\u00e4uche diente er als Opferstein.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche \u00e4ltere B\u00fcrger aus Sennewitz erinnern sich aber einer Sage. Da soll, als der Teufel noch ungehindert durch die Lande ziehen konnte und sich nach einem seiner Streifz\u00fcge auf dem Petersberg ausruhte, sein Blick \u00fcber das liebliche Land an der Saale gegangen sein. Dabei \u00e4rgerte ihn der Anblick der friedlichen D\u00f6rfer und der Menschen, die ihrer Arbeit nachgingen. Er sammelte riesige Felsbl\u00f6cke und warf nach den D\u00f6rfern.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Ziel suchte er sich die h\u00f6chsten Bauwerke, die Kirchen aus. So landeten diese Steine in Gimritz, Wettin, Hohenthurm, G\u00fctz und schlie\u00dflich in Sennewitz. Getroffen hat der Teufel allerdings nichts. Nur der Stein, der mit ohrenbet\u00e4ubendem L\u00e4rm dicht neben der Kirche in Sennewitz niederging, verursachte durch den Aufprall einen gewaltigen Ri\u00df im Bauwerk, der noch heute zu sehen ist. Im Stein aber sind immer noch die Krallenabdr\u00fccke des Teufels zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie die \u00e4lteren Einwohner weiter zu berichten wissen, soll unter der Kirche ein wertvoller Schatz verborgen sein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"799\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/D0183961-B7AF-4791-AB98-C74E05AF3252-799x1024.jpeg\" alt=\"Der Teufelsstein zu Sennewitz\" class=\"wp-image-15451\" srcset=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/D0183961-B7AF-4791-AB98-C74E05AF3252-799x1024.jpeg 799w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/D0183961-B7AF-4791-AB98-C74E05AF3252-234x300.jpeg 234w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/D0183961-B7AF-4791-AB98-C74E05AF3252-768x985.jpeg 768w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/D0183961-B7AF-4791-AB98-C74E05AF3252.jpeg 1162w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>Der Teufelsstein zu Sennewitz<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Sage von der goldenen Gans<\/h2>\n\n\n\n<p>In alter Zeit, als man noch an Wunder glaubte und die Leute arm waren, h\u00f6rte man begierig geheimnisvolle Geschichten von vergrabenen Sch\u00e4tzen, von Tannenzapfen, die zu purem Gold wurden, von Wichteln und Feen, die wertvolle Dinge schenkten, und anderen wunderlichen Sachen, die der Not Abhilfe verschaffen sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>In Sennewitz erz\u00e4hlte man sich von einem unterirdischen verborgenen Gang direkt unter der Kirche. Dieser Gang sei ausgeschm\u00fcckt mit lauter Edelsteinen. Auf einem goldenen Nest s\u00fc\u00dfe eine goldene Gans und br\u00fcte zw\u00f6lf goldene Eier aus. Wer eines der goldenen Eier holen k\u00f6nnte, habe f\u00fcr Lebzeiten sein Gl\u00fcck gemacht. Der Zugang zum unterirdischen Gang ist aber keinem einzigen Menschen bekannt gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p>Wertvolle Sch\u00e4tze gibt es aber tats\u00e4chlich in unserem Kreis. Das sind die Leistungen der Menschen, die in der Landwirtschaft, der Industrie, im Handel und jeder an seinem Arbeitsplatz ihren Beitrag f\u00fcr die Gesellschaft leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Blickt man in Richtung Halle, so ahnt man das emsige Schaffen der Werkt\u00e4tigen in den einzelnen Industriezweigen durch den aufsteigenden Rauch aus vielen Schornsteinen. Die bearbeiteten und gepflegten \u00c4cker im Umkreis sind ein sichtbares Zeugnis vieler flei\u00dfiger Bauern.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Bergleute gab es im Saalkreis. 1967 endete der Bergbau im Steinkohlebergbau Pl\u00f6tz. Von Pl\u00f6tz zogen sich die Fl\u00f6ze bis Wettin und D\u00f6lau. Bei Nietleben und Zscherben gab es Braunkohlegruben. Einsch\u00fcchterung und Angst war ein Mittel, die Kumpel in fr\u00fcheren Zeiten zu immer gr\u00f6\u00dferen Leistungen anzutreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Sage ist typisch daf\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Berggeist von Zscherben<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Bergleute der ehemaligen Kohlegruben bei Zscherben gingen oft bangen Herzens an ihre Arbeit. Eine unbedachte \u00c4u\u00dferung \u00fcber die Schwere ihrer T\u00e4tigkeit oder \u00fcber die mieserablen Arbeitsbedingungen unter Tage, rief den Zorn eines Berggeistes hervor. Dieser trieb hier sein Unwesen. Der Berggeist zeigte sich unvermittelt zu jeder Tages- und Nachtzeit. Er trug gro\u00dfe Stulpenstiefel, gelbe lederne Hosen und Blechhandschuhe, an denen vorn spitze Haken w\u00e4ren. Wer ihn durch eine abf\u00e4llige Bemerkung \u00fcber die Grube erz\u00fcrnte, bekam eine Ohrfeige. Die Spuren der spitzen Haken an den Blechhandschuhen blieben f\u00fcr immer im Gesicht des Bergmannes sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Geschichte aus Zscherben verdient noch erw\u00e4hnt zu werden. Ist es Sage oder Wahrheit? Diese Geschichte erz\u00e4hlt aus dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gerechte Strafe f\u00fcr einen R\u00e4uber<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Bewohner der Saalkreisd\u00f6rfer hatten im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg unter den fremden Kriegsknechten besonders zu leiden. Ausgepl\u00fcndert und all ihrer Habe beraubt, auch Vieh und Kornvorr\u00e4te, so lebten sie dahin, mut- und kraftlos. Manchmal war monatelang Ruhe, und die Bauern und Handwerker sch\u00f6pften erneut Hoffnung. Sie bestellten ihre \u00c4cker. Brot wurde gebacken und was zerst\u00f6rt war, wurde wieder aufgebaut. Doch neue Horden der Kriegssoldateska brachen in die D\u00f6rfer ein, und das Leid begann von neuem.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>An einem Sonntag, zu Anfang des Jahres 1636, die Wallensteinschen Kriegshorden waren vor Wochen weitergezogen, fand nach langer Zeit wieder eine Veranstaltung in der Zscherbener Kirche statt. War es eine Hochzeit oder Taufe? Pl\u00f6tzlich war L\u00e4rm an der Pforte. Ein schwedischer Reiter in voller R\u00fcstung war wohl allein auf Raub ausgezogen und hatte versucht, mit seinem Pferd in das Kircheninnere einzudringen, um diese zu pl\u00fcndern. Dabei hatte er nicht bedacht, da\u00df die Pforte sehr niedrig war. Er rannte sich den Kopf ein und fiel tot zu Boden. Die B\u00fcrger sahen das als eine gerechte Strafe an.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich hat sich dieses oder ein \u00e4hnliches Ereignis w\u00e4hrend des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges in Zscherben abgespielt. Man erz\u00e4hlt sich noch heute davon. Diese Geschichte wird aber an ein Relief aus Stein gekn\u00fcpft, welches neben der Kirchpforte eingemauert ist. Angeblich soll es zum Gedenken an diese Begebenheit gefertigt sein. Das stimmt allerdings keineswegs, der Stein ist viel \u00e4lter. Er stellt einen Reiter mit Helm dar, in der Rechten h\u00e4lt er ein riesiges Schwert. \u00dcber ihm befindet sich ein Kreuz zwischen eingeritzten Ranken. Die Zeit seiner Entstehung ist das 11. Jahrhundert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was dieser Stein bedeutet und warum er liegend an der Kirchenmauer eingelassen wurde, kann man nicht mehr ergr\u00fcnden. Er scheint jedoch ein Bestandteil der \u00e4ltesten Zscherbener Kirche gewesen zu sein und an die Christianisierung der Heiden in diesem Gebiet zu erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schrecken des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges sind nun das Gespr\u00e4chsthema zwischen meiner Frau und mir. Angst, Hunger, Schrecken und Mutlosigkeit hatte sich damals \u00fcberall verbreitet. Wir unterhalten uns \u00fcber die Schicksale der Menschen damaliger Zeit. Einen Ruheplatz haben wir auf der Westseite des Petersberges gefunden. Es ist<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">der Brautstein<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein etwa drei Meter langer Porphyrblock, wenige Schritte westlich vom Turm der Kapelle, wird der Brautstein genannt. Jungverm\u00e4hlte pflegten sich auf ihn niederzusetzen, wenn sie nach der Trauung die Kirche verlassen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Blick geht von dieser Stelle aus in Richtung Domnitz, Dornitz und Rothenburg und schweift hin\u00fcber zum Saaletal nach Wettin.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein typisches Beispiel der schlimmen Zeit des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges gibt eine Geschichte kund, die sich in den W\u00e4ldern um Dornitz zugetragen hat. Sie ist gleichzeitig auch Hoffnung in jener Zeit der tiefsten Dem\u00fctigung der Saalkreisbewohner.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">H\u00fcttenmeister Jochen Thim zu Dornitz<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein tr\u00fcgerischer Frieden lag \u00fcber den D\u00f6rfern des Saalkreises. Das Jubilieren der Lerchen \u00fcber dem heranreifenden Korn konnte nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, da\u00df es im Lande brodelte. Fremde Kriegsknechte zogen durch; R\u00e4uberbanden machten die Stra\u00dfen unsicher.<\/p>\n\n\n\n<p>Man schrieb das Jahr 1621, als der Administrator des Erzstiftes Magdeburg, Christian Wilhelm, Sohn des Kurf\u00fcrsten Joachim Friedrich von Brandenburg, den Kupferschieferbau in Rothenburg, Wettin, K\u00f6nnern, Dobis und D\u00f6blitz wieder instand setzen lie\u00df, um Schiefer zu brechen. Die alte Bachm\u00fchle am Sixtbach bei Dornitz erwarb er f\u00fcr 2000 Gulden vom Bachm\u00fcller Melchior Dorn und lie\u00df diese zu einer Schmelzh\u00fctte ausbauen. Am 25. Februar 1622 fing man an zu schmelzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen der besten H\u00fctten- und Schmelzmeister lie\u00df der Administrator aus Eisleben kommen. Es war Jochen Thim, ein Mann von kr\u00e4ftiger Statur, immer fr\u00f6hlich und zufrieden und freundlich gegen\u00fcber seinen Untergebenen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald heiratete er Sabine, die Schw\u00e4gerin des Richters Lorenz Zorn aus Dalena, und das Gl\u00fcck schien vollkommen. Es gab aber einen \u00fcblen des Landes verwiesenen Burschen, J\u00fcrgen Pfeiffhaus, der Raubj\u00e4ger genannt. Dieser hatte ein Auge auf Sabine geworfen. Ehe er aber aus dem Blickfeld verschwand, drohte er Jochen Thim und allen Leuten aus Dornitz, Domnitz und Dalena furchtbare Rache.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Soldateska Wallensteins ins Land fiel, hatte er sich dieser angeschlossen und raubte bei einem \u00dcberfall in der \u201eH\u00f6lle\u201c zwischen Morl und Beidersee Sabine, die Frau Jochen Thims. Beide waren vor den Wallensteinschen auf der Flucht nach Eisleben. Der H\u00fcttenmeister wurde zusammengeschlagen, und man lie\u00df ihn liegen. Erst nach vielen Stunden kam er zu sich.<\/p>\n\n\n\n<p>In der versteckten H\u00fctte, in den W\u00e4ldern zwischen Dornitz und Domnitz, sammelte Thim seine H\u00fcttenleute und organisierte einen bewaffneten Widerstand gegen die pl\u00fcndernden und mordenden Banden. Immer aber auf der Suche nach seiner Frau. Sabine wurde unter erb\u00e4rmlichen Bedingungen vom Raubj\u00e4ger J\u00fcrgen Pfeiffhaus in L\u00f6bej\u00fcn gefangengehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein mitleidiger Junker, Joachim von K\u00f6hler, befreite sie aufgeheimnisvolle Weise. Sabine, abgemagert, dem Tode nahe schleppte sich zu ihrem Mann in das Versteck bei Dornitz.<\/p>\n\n\n\n<p>Der H\u00fcttenmeister hatte aber noch keine Ruhe. Wo er mit seinen Leuten den Raub- und Mordbanden begegnete, bek\u00e4mpfte er sie. Eines Tages erfuhr er von einem geplanten \u00dcberfall auf die M\u00fchle bei Dornitz. Der Raubj\u00e4ger war der Anf\u00fchrer. Sofort machte er sich mit seinen H\u00fcttenleuten auf und vernichtete dort die ganze Bande. Sein \u00e4rgster Feind war nun tot.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Pest w\u00fctete jetzt im ausgepl\u00fcnderten, trostlosen und tot daliegenden Saalkreis. L\u00f6bej\u00fcn z\u00e4hlte nur noch 300 Einwohner. ln Domnitz waren es nur noch 15. Zu dieser Zeit gebar Sabine einen Sohn. Kurze Zeit darauf stand die H\u00fctte im Dornitzer Wald f\u00fcr immer leer. Der H\u00fcttenmeister war mit seiner Frau und seinem Sohn fortgegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein ehemaliger H\u00fcttenjunge aus Dornitz behauptete, seinen H\u00fcttenmeister lange nach Beendigung des Krieges in Eisleben getroffen zu haben. Dieser aber hat ihn nicht erkennen wollen und hat auch gesagt, er w\u00e4re nicht Jochen Thim. Doch lud er den ehemaligen H\u00fcttenjungen Andres zu sich in sein Haus ein. S\u00f6hne und T\u00f6chter empfingen Andres. Die Hausfrau war vor Jahren gestorben. Nun lie\u00df sich der greise Mann aus Eisleben von den Geschehnissen im Saalkreis berichten. Aufmerksam h\u00f6rte er zu.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch schw\u00f6re es&#8220;, sagte der nun alte H\u00fcttenjunge, wenn er diese Geschichte im Krug von M\u00f6derau, der dicht neben seinem Hofe lag, erz\u00e4hlte, \u201ees war unser H\u00fcttenmeister und kein anderer.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stra\u00dfe, die Jochen Thim mit seiner Familie damals zur Flucht benutzte, war eine der gef\u00e4hrlichsten Stra\u00dfen. Besonders dort, wo er \u00fcberfallen wurde, diese Stelle nannte man die H\u00f6lle.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die H\u00f6lle<\/h2>\n\n\n\n<p>Zwischen Morl, M\u00f6derau und Beidersee lag bis um das Jahr 1000 ein gro\u00dfer und tiefer See. Als dieser mit der Zeit abgeflossen,<\/p>\n\n\n\n<p>blieb ein tiefer Morast zur\u00fcck, von dem die D\u00f6rfer Morl (Moortal) und M\u00f6derau (Moderaue) ihre Namen erhalten haben. In diesem Moor entwickelte sich ein wilder Wald, durchsetzt von vielen S\u00fcmpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6stlich durchzog das Moor die Stra\u00dfe nach Magdeburg und Halberstadt. Mit Steinen und Baumst\u00e4mmen befestigt, versank diese Stra\u00dfe aber immer wieder im Morast bei Schneeschmelze und Regeng\u00fcssen. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts gab es noch W\u00f6lfe und B\u00e4ren in dieser Gegend. In diesem Sumpfwald lauerten Diebe, R\u00e4uber und anderes Gesindel, um Vor\u00fcberfahrenden ihre Habe abzunehmen und sie auch umzubringen. Dieser Teil der Stra\u00dfe erhielt daraufhin den Namen \u201eH\u00f6lle\u201c. Fuhrleute machten lieber einen gro\u00dfen Umweg.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 1589 versuchte man den Weg durch die \u201eH\u00f6lle\u201c besser zu befestigen. Es war aber vergebens. Sp\u00e4tere Entw\u00e4sserung f\u00fchrte dann allm\u00e4hlich zu festerem Untergrund. In den Jahren 1795 bis 1800 wurde dann diese alte Heerstra\u00dfe zur Magdeburger Chaussee ausgebaut. Damit war die Gef\u00e4hrlichkeit der \u201eH\u00f6lle\u201c ein f\u00fcr allemal verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">*<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Geschichten, Sagen und auch Volksbr\u00e4uche gehen von diesem Lande, heute einem so friedlichen Lande aus. Wie Spielzeug verstreut liegen die H\u00e4user unter uns. Es ist alles so ruhig und doch pulsiert das Leben \u00fcberall, in allen Gemeinden, ein Leben friedlichen Schaffens.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Taube streicht von den Ruinen ins Tal hinab. Ihr sanfter Fl\u00fcgelschlag klingt in die Musik des windigen Tages. Sind wir der hilfreichen Fee begegnet, der Fee der Fruchtbarkeit, der Fee der zw\u00f6lf N\u00e4chte? Nur zu dieser Zeit erscheint sie, die\u2026<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Feentaube<\/h2>\n\n\n\n<p>In den \u201eZw\u00f6lf N\u00e4chten&#8220;, zwischen Weihnachten und dem Dreik\u00f6nigstag, h\u00f6rte man in der Nacht oft ein wunderbares Rauschen in der Luft. Es kam von Diemitz, einem heutigen Stadtteil im Nordosten von Halle, und zog \u00fcber die n\u00f6rdlichen D\u00f6rfer des Saalkreises. Den Bauern war dieses Rauschen wohlbekannt, und sie freuten sich, weil ein fruchtbares Jahr darauf folgte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Frau von gro\u00dfer Sch\u00f6nheit verwandelte sich zu dieser Zeit in eine Taube. Diese flog \u00fcber die Felder und D\u00f6rfer. Das Rauschen ihres Fl\u00fcgelschlages war weit zu h\u00f6ren. An den F\u00fc\u00dfen trug die Taube ein kleines St\u00fchlchen, welches aus feinem Rohrschilf geflochten war.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo sie entlang flog, gedieh die Ernte wie nie zuvor. Besonders dort, wo sich die Taube niederlie\u00df, um sich auf dem St\u00fchlchen auszuruhen, gr\u00fcnte und bl\u00fchte es im folgenden Sommer besonders gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Morgen des Dreik\u00f6nigstages, mit dem Licht der aufgehenden Sonne, wandelte sich die Taube wieder zur Feengestalt der sch\u00f6nen Frau. Und im D\u00e4mmerschein des winterlichen Abends verschwand sie und ward das ganze Jahr nicht mehr gesehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"692\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/E526A5E3-B839-4690-B9E3-DF0243B58A30-692x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16013\" srcset=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/E526A5E3-B839-4690-B9E3-DF0243B58A30-692x1024.jpeg 692w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/E526A5E3-B839-4690-B9E3-DF0243B58A30-203x300.jpeg 203w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/E526A5E3-B839-4690-B9E3-DF0243B58A30-768x1136.jpeg 768w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/E526A5E3-B839-4690-B9E3-DF0243B58A30-1038x1536.jpeg 1038w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/E526A5E3-B839-4690-B9E3-DF0243B58A30.jpeg 1164w\" sizes=\"auto, (max-width: 692px) 100vw, 692px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Eigentlich sollte man nach dieser sch\u00f6nen Sage nicht mehr an den Teufel denken. Aber diese H\u00f6llengestalt ist ja in fr\u00fcheren Zeiten nur so in der Gegend herumspaziert. Kein Wunder. wenn der Petersberg sein Zuhause war. Gekannt hat er auch alle und jeden und Wetten mit ihnen abgeschlossen. Meist verlor er allerdings dabei.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Teufelsstufe<\/h2>\n\n\n\n<p>Sie erz\u00e4hlt von einer Wette. die der Teufel gewann. In der w\u00fcsten<\/p>\n\n\n\n<p>Feldmark Denitz zwischen Domnitz und Neutz bei Wettin liegt in der \u201eG\u00fcldenen Breite&#8220; ein gro\u00dfer Stein. Der Teufel soll ihn dort hingelegt haben. Und das kam so:<\/p>\n\n\n\n<p>Um sein K\u00f6nnen und seine Macht im Gebiet um den Petersberg zu beweisen, wettete er mit einem heiligen Mann, da\u00df er von dieser Stelle aus nur einen Schritt bis zum Petersberg brauche. Der heilige Mann hat nicht erkennen lassen, ob er dem Teufel glaubte oder daran zweifelte. Er lie\u00df ihm seinen Spa\u00df. Mit einem gewaltigen Schritt war der Teufel auf dem Petersberg. Den Stein hat er als Wahrzeichen f\u00fcr diese Anstrengung hinterlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der N\u00e4he der Stelle, wo der Teufel diesen Stein hingelegt hat, befindet sich die Gemeinde Neutz. Wir haben wundersch\u00f6ne Erinnerungen an dieses sch\u00f6ne Dorf. Es sind die Erinnerungen an eine Wanderung im vergangenen Sommer. Inmitten von fruchtbaren Feldern, etwas versteckt, liegt diese Gemeinde. Wir besuchten das freundliche Neutz, um den Spuren einer merkw\u00fcrdigen Sage nachzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Wettin kommend erreichten wir Neutz bei dr\u00fcckender Mittagshitze. Am Ortseingang zieht sich auf der rechten Seite ein etwa 6 Meter hoher Hang parallel zur Stra\u00dfe hin. Robinien spenden einen angenehmen Schatten. In der Grasmatte des Hanges zeigt sich hier und dort das darunterliegende Porphyrgestein. \u00dcber den Feldern links der Stra\u00dfe summten die Bienen und gaukelten Schmetterlinge. Ein Traktor tuckerte in einem Geh\u00f6ft und dazwischen h\u00f6rte man das langgezogene Gaag, Gaag einiger H\u00fchner, eine friedliche Dorfstimmung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die unter Denkmalschutz stehende Kirche aus dem 14. Jahrhundert war unser Ziel. Dort soll sich um 1305 eine eigenartige Geschichte beim Bau der Kirche abgespielt haben. Es ist die Geschichte vom\u2026<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Basiliskenweibchen zu Neutz<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Maurer stie\u00dfen bei Ausschachtungsarbeiten auf ein br\u00fctendes Basiliskenweibchen, das mit einem auf dem Petersberg hausenden M\u00e4nnchen durch einen unterirdischen Gang verkehrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gest\u00f6rte Basiliskenweibchen t\u00f6tete die Arbeiter durch ihren giftigen Atem. Der Pfarrer, der das Untier beschw\u00f6ren wollte, fiel ebenfalls tot zu Boden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Kriegsmann, der des Weges kam, \u00fcberw\u00e4ltigte das Basiliskenweibchen. Er hielt dem Tier einen Spiegel vor, das verbi\u00df sich sofort in den Spiegel, weil es glaubte, einen anderen Basilisken vor sich zu haben, und so konnte der Krieger das Basiliskenweibchen t\u00f6ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Andenken an dieses Ereignis wurde die Darstellung eines Basilisken auf der Kirchenfahne und dem Siegel des Schulthei\u00dfen aufgenommen. Ein Steinrelief, einen Basilisken, \u00e4hnlich einer Eidechse mit Fl\u00fcgeln, stand bis 1750 im Inneren der Kirche. Ein zweiter Stein ist noch heute zu sehen. Auf ihm sind f\u00fcnfzehn runde Eier dargestellt. Gleich am Kircheneingang rechts in der Mauer ist er eingelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein sch\u00f6ner Brauch aus dem Dorf Lettewitz, das zur Gemeinde Neutz-Lettewitz geh\u00f6rt, wird in unserer Erinnerung nach wach.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bischof und Schellenmoritz in Lettewitz<\/h2>\n\n\n\n<p>In Lettewitz bei Wettin wurde zu Pfingsten ein Knecht ganz mit Laubzweigen geschm\u00fcckt und ein anderer in umgekehrte Pelze gekleidet. Der erste wurde \u201eBischof\u201c genannt, der zweite \u201eSchellenmoritz&#8220;. Sie gingen im Dorf von Haus zu Haus und baten um Gaben zu einem gro\u00dfen Mahl. Die Bauern schenkten ihnen Eier, Speck, Semmeln und was sonst noch gut schmeckte. Zwei M\u00e4nner begleiteten den \u201eBischof\u201c und den \u201eSchellenmoritz\u201c und trugen die Gaben in einem gro\u00dfen Korb zur Schenke. Dort wurden die Gaben bei Wein und Bier verzehrt. Jeder, der gerade in die Schenke einkehrte, durfte an dem Mahl teilnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Einsammeln der Gaben wurden die Knechte von einem Schwarm von Kindern und Jugendlichen begleitet, die der \u201eSchellenmoritz&#8220; durch allerlei Sp\u00e4\u00dfe belustigte, indem er den Leuten ein Bein stellte, da\u00df sie stolperten, die Kinder kniff und sie wohl auch ins Wasser warf. Nach dem Mahl folgte ein Tanz. Und erst zu Mitternacht war das fr\u00f6hliche Treiben vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Wanderung im vergangenen Sommer f\u00fchrte uns auch nach Rothenburg, einer interessanten Gemeinde an der Saale, im n\u00f6rdlichsten Teil des Saalkreises. Von unserem Platz auf dem Petersberg aus k\u00f6nnen wir Rothenburg nicht sehen. Es liegt tief im Saaletal. Eine riesige Serpentinschleife f\u00fchrt vom Ianggezogenen Hochplateau, welches sich vom Petersberg bis Rothenburg erstreckt, hinunter zur roten Stadt. Rot deshalb, weil viele der Geb\u00e4ude aus dem roten Sandstein, welcher als Konglomerat das Saaleufer s\u00e4umt, erbaut sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit dem 15. Jahrhundert ist in Rothenburg die Industrie zu Hause. Damals war es der Bergbau. Man sch\u00fcrfte nach Kupfer. In Rothenburg befand sich eine Schmelzh\u00fctte. Heute pr\u00e4gt das industrielle Bild Rothenburgs der VEB Draht- und Seilwerk.<\/p>\n\n\n\n<p>Was wir von unserem Beobachtungspunkt so ungef\u00e4hr erkennen k\u00f6nnen, ist die H\u00f6he der Stra\u00dfe nach Rothenburg. Auf dieser Stra\u00dfe, am Abzweig nach D\u00f6ssel, soll es nicht ganz geheuer sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Sage vom wilden Birnenbaum<\/h2>\n\n\n\n<p>In fr\u00fcheren Zeiten stand dort ein Ort, der von Feinden v\u00f6llig zerst\u00f6rt wurde. Der letzte Bewohner des Ortes soll nun mittags und nachts um die zw\u00f6lfte Stunde ohne Kopf dort umherirren und die Vor\u00fcbergehenden erschrecken. Es ist die Stelle, wo ein alter Birnenbaum heute noch steht. Er soll ein S\u00e4mlingsnachkomme eines Birnenbaumes des verschwundenen Ortes sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der sch\u00f6nste Saaleabschnitt \u00fcberhaupt sind die Sandsteinfelsen des Oberkarbons bei Rothenburg. Wenn die Sonne am Abend darauf scheint, leuchten sie in allen Spielarten der roten Farbskala. Als wir damals die Saale auf der F\u00e4hre Rothenburg \u00fcberquerten, gluckerte es aus der Tiefe empor. Sind es Gasblasen des schlammigen Grundes? Oder sind es die Saalenixen, die am Grunde umherwirtschaften? Denn Nixen und Nixe soll es ja geben.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Sage vom Nix von Rothenburg<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Bauer aus Rothenburg hatte, als er auf dem Weg nach Halle war, einst eine eigenartige Begegnung. Unterwegs traf er einen Mann, der erz\u00e4hlte ihm, er sei der Nix von Rothenburg und habe dem Nix von Giebichenstein f\u00fcr 14 Tage seine Frau ausgeborgt, damit sie dessen Haushalt halte, weil die Nixe vom Giebichenstein krank sei. Jetzt seien aber schon 16 Tage vergangen und seine Frau ist noch nicht zur\u00fcck. Darum habe er sich aufgemacht sie heimzuholen und dem Giebichensteiner Nix zu zeigen, wie es denen ergeht, die nicht Wort halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Nix in Giebichenstein vom Bauer schied, sagte er ihm, er m\u00f6ge darauf achten, ob ein Blutfleck auf der Saale zu sehen ist. Das sollte das Zeichen sein, da\u00df einer von ihnen, er oder der andere Nix, im Kampfe get\u00f6tet sei. Hierauf ging er \u00fcber die Saale bis zur Mitte und verschwand im Wasser. Nach kurzer Zeit quoll helles Blut an die Oberfl\u00e4che.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer aber get\u00f6tet wurde, hat der Bauer nie erfahren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"699\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/91511264-9D37-46D2-9C9E-C1250201254B-699x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16051\" srcset=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/91511264-9D37-46D2-9C9E-C1250201254B-699x1024.jpeg 699w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/91511264-9D37-46D2-9C9E-C1250201254B-205x300.jpeg 205w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/91511264-9D37-46D2-9C9E-C1250201254B-768x1126.jpeg 768w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/91511264-9D37-46D2-9C9E-C1250201254B-1048x1536.jpeg 1048w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/91511264-9D37-46D2-9C9E-C1250201254B.jpeg 1191w\" sizes=\"auto, (max-width: 699px) 100vw, 699px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Nie erfahren wird man auch jemals, ob sich auf dem Grunde der Saale bei Rothenburg ein Schatz befindet, der\u2026<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Goldschatz der Franzosen.<\/h2>\n\n\n\n<p>Einst ging eine Holzbr\u00fccke \u00fcber das Wasser. Beim R\u00fcckzug der Franzosen 1813, nach der V\u00f6lkerschlacht bei Leipzig, ging diese Br\u00fccke in Flammen auf. Die Franzosen, so erz\u00e4hlt man, haben sie in Brand gesteckt, damit ihnen niemand \u00fcber die Saale folgen konnte. Beim \u00dcbergang \u00fcber die Saale haben sie eine Kassette mit einigen tausend Luidors verloren. Es war die Kriegskasse. Sie soll noch heute auf dem Grund des Flusses liegen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Napoleonschmiede<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine andere Erz\u00e4hlung aus der Zeit der V\u00f6lkerschlacht bei Leipzig&nbsp; berichtet:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVon den in der V\u00f6lkerschlacht bei Leipzig geschlagenen franz\u00f6sischen Truppen fl\u00fcchtete auch ein gewisser Teil \u00fcber Rothenburg hinweg . . .\u201c, schreibt zu Ende des 19. Jahrhunderts der Urgro\u00dfvater des Herrn Tarlatt aus Rothenburg.<\/p>\n\n\n\n<p>In der von ihm verfa\u00dften Chronik finden sich wertvolle Hinweise zu den Geschehnissen in und um Rothenburg. Der Chronist schreibt in seiner Einleitung, da\u00df er sich auf verschiedene Quellen st\u00fctzt, die den Zeitraum von 940 Jahren beschreiben. Die Chronik des Pfarrers D. Wilke von 1832, als eine der Quellen, gibt unter anderem Auskunft \u00fcber die Zeit, als Napoleon nach der Niederlage bei Leipzig \u00fcber die Saale fl\u00fcchtete. Die Beschreibung des Gebietes \u00f6stlich der Saale zwischen Rothenburg und Dobis ist ein hochinteressanter Abschnitt der Chronik.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort, wo jetzt die F\u00e4hre Brucke die beiden Saaleufer verbindet, befindet sich auf Rothenburger Seite in den Bergen ein Taleinschnitt, fr\u00fcher bekannt als Tannengrund. Uralte Nadelb\u00e4ume standen dort. Um 1813 wurden diese B\u00e4ume gef\u00e4llt. Es waren aber keine Tannen, sondern L\u00e4rchen, die im Volksmund als Tannen bezeichnet werden. Sp\u00e4ter wurde dieser Grund mit Obstb\u00e4umen und Nu\u00dfb\u00e4umen bepflanzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch heute stehen einige alte Nu\u00dfb\u00e4ume dort. In der auch als Nu\u00dfgrund bekannten Landschaft befand sich ehemals das Dorf Windheim oder auch Winheim genannt. Es erinnert an ein altes Weinanbaugebiet.<\/p>\n\n\n\n<p>Ehe die Rothenburger Amtsziegelei dort gebaut wurde, deren Geb\u00e4ude noch jetzt stehen und als Wohnung und Stallung genutzt werden, stand vor dem D\u00f6rfchen Winheim noch eine Schmiede. Sie hatte sich in der Familie Hellbach durch mehrere Generationen vererbt. Der Grund wurde daher auch Hellbachgrund genannt. Die Bezeichnungen Trippstrillergrund, Strippstrullergrund oder Strullergrund sind auch bekannt. Als die H\u00f6hen noch bewaldet waren, soll ein Bach \u201estrullernd&#8220; ins Tal gerieselt sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schmiede der Familie Hellbach stand noch als Napoleon \u201evon Gott geschlagen&#8220; aus dem russischen Winterfeldzug heimkehren mu\u00dfte. Um unerkannt durch Deutschland zu kommen, eilte der Fl\u00fcchtling als Bauer verkleidet mit einem Pferdeschlitten auf einsamen Wegen seinem Heere voran. Dabei kam er auch \u00fcber Rothenburg, wo er in der Hellbachschmiede seine Pferde beschlagen lie\u00df. Die Wartezeit nutzte er, um sich am Schmiedefeuer zu w\u00e4rmen. Der Sohn des Schmiedes soll in diesem Bauersmann den Kaiser Napoleon erkannt haben. Man wagte aber erst von der Einkehr Napoleons in der Schmiede zu erz\u00e4hlen, als die Nachricht vom allgemeinen R\u00fcckzug der Franzosen bekannt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem aber nannte man diese Schmiede die Napoleonschmiede. Diese Schmiede hatte sich damals auf die Anfertigung von Werk-. zeugen, die im Bergbau und Steinbruch gebraucht wurden, spezialisiert. Der Bergbau bestimmte \u00fcber lange Zeit den Aufstieg einiger Gemeinden im Saalkreis, so auch der Stadt Wettin.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Petersberger B\u00fcrger zeigt uns die Richtung. Irgendwo dahinten, genau westlich des Petersberges, liegt diese sch\u00f6ne alte Stadt. Die ersten urkundlichen \u00dcberlieferungen beginnen 961. Die Nachfolger der fr\u00e4nkischen Gaugrafen, die auf der \u201evitin civitas\u201c als Burggrafen herrschten, nennen sich ab 997 \u201eGrafen von Wettin&#8220;. Dieses Geschlecht bestimmte die Geschichte Sachsens und Th\u00fcringens, ja eigentlich ganz Deutschlands mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Um das Jahr 1000 herum erhielten die Wettiner die Grafschaft im Nudzicigau, zu dem auch der Petersberg geh\u00f6rte. Nachdem es Jahre zuvor nicht gelungen war, die Wenden, die das ostsaalische Gebiet bewohnten, zum Christentum zu bekehren, lie\u00dfen die Wettiner an Stelle der ehemaligen Holzkapelle auf dem uralten Kultplatz eine kleine runde Kapelle aus Stein errichten. Sie diente zur Taufe der Heiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch zu Beginn des 12. Jahrhunderts hatte das Christentum in den um den Petersberg liegenden und von Wenden bewohnten D\u00f6rfern so gut wie keinen Fortschritt gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Graf Dedo von Wettin beschlo\u00df diesem Zustand abzuhelfen, indem er um 1120 auf dem Berg ein Augustiner Chorherrenstift begr\u00fcndete. Um seine Bedeutung zu erh\u00f6hen, stattete er es mit einer kostbaren Reliquie aus. Einem St\u00fcck \u201eHolz vom Kreuze Christi&#8220;, das er von einer Wallfahrt aus dem Heiligen Land mitgebracht hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Doch blicken wir noch einmal nach Wettin. Auf die Zeit, da Wettin fast ausnahmslos eine Bergarbeiterstadt war. Um 1466 entdeckten die Bergleute auf der Suche nach Kupferschiefer ein reiches Steinkohlelager. Es war die Zeit unter Erzbischof Friedrich IV. lm Lehnbuch des Erzbischofs wurden allerdings schon 1456 die \u201eKolberge\u201c bei Wettin erw\u00e4hnt. In einem ebenen Gebirge streicht das Wettiner Steinkohlefl\u00f6z im Gebiet des Saalkreises von L\u00f6bej\u00fcn \u00fcber Br\u00e4chwitz bis nach D\u00f6lau. Von den drei bis vier Schichten lag das \u201ehohe Fl\u00f6z&#8220; ungef\u00e4hr vierzig Meter tief und war bis zu zwei Meter m\u00e4chtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem Schatz wu\u00dfte man allerdings nichts anzufangen, und die Sch\u00e4chte wurden stillgelegt. Zweihundert Jahre sp\u00e4ter lie\u00df der Administrator Christian Wilhelm die Sch\u00e4chte wieder \u00f6ffnen und das Bergwerk wieder aufnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Halden n\u00f6rdlich von Wettin erinnern heute noch an die Zeit der Bergwerksindustrie. Die Steine der Halden zeugen von l\u00e4ngst vergangener Zeit, wie auch die Steine der stolzen Burg \u00fcber der Saale. In ihren Gem\u00e4chern soll eine wei\u00dfe Frau wehklagend umherwandeln. Immer, wenn sie erscheint, scheidet ein Bewohner der Burg aus dem Leben. Am bekanntesten ist aber die Sage von der..<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">M\u00f6nchen-Kammer<\/h2>\n\n\n\n<p>Drei M\u00f6nche von sehr kleiner Gestalt mit grauem Haar und faltigem Gesicht, am G\u00fcrtel hatten sie ein gro\u00dfes Schl\u00fcsselbund h\u00e4ngen. Sie gingen, der eine auf dem Amte, der andere auf der Burg und der letzte in der Sch\u00e4ferei, um. Sie spendeten Menschen und Tieren Segen und wachten \u00fcber das Eigentum der besitzenden Herren.<\/p>\n\n\n\n<p>lm \u201eWinkel\u201c, dem in einem spitzen Winkel zulaufenden Geb\u00e4udeteil der Unterburg, hatte der zweite M\u00f6nch seine Kammer, die noch heute M\u00f6nchenkammer benannt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Wettiner Oberburg bildet die VVB Tierzucht in einer Spezialschule, der einzigen dieser Art in der DDR, ihren Sch\u00e4fernachwuchs aus. Es ist immer noch ein St\u00fcck Romantik, einen Hirten mit seiner Herde zu beobachten, wie wir es soeben erleben. Von unserem Platz aus sehen wir einen Sch\u00e4fer mit seiner Herde. \u00dcber die abgeernteten Acker westlich des Petersberges f\u00fchrt er die Schafe hinweg. Uns kommen dabei zwei reizende Geschichten in Erinnerung, Sch\u00e4fergeschichten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Sch\u00e4fer und die Nixe<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Sch\u00e4fer aus Wettin hatte sich in eine Nixe verliebt und wohnte lange Zeit auf dem Grunde der Saale. Er sehnte sich aber sehr bald nach seinen Verwandten, Freunden und seiner Schafherde und bat seine Frau darum, noch einmal auf die Erde zur\u00fcckkehren zu d\u00fcrfen. Nachdem er ihr gelobt hatte wiederzukommen, gestattete sie es ihm. Doch schwor sie, sich schwer zu r\u00e4chen, wenn er sein Wort breche.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Sch\u00e4fer gefiel es oben auf den gr\u00fcnen Wiesen bei seinen Schafen so sehr, da\u00df er beschlo\u00df, wieder seine Schafe zu h\u00fcten und nicht zur Nixe zur\u00fcckzukehren. Einem Brunnen, einem See oder dem Ufer der Saale kam er nun nicht mehr zu nahe, f\u00fcrchtete er doch die Rache der Nixe.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages beim Schafeh\u00fcten, es war sehr hei\u00df, bekam er gro\u00dfen Durst. Da sah er eine kleine Wasserlache am Wege. \u201eHier\u201c, dachte er, \u201ekann sie dir nichts anhaben\u201c, und b\u00fcckte sich, um zu trinken. Kaum hatte er mit seinen Lippen das Wasser ber\u00fchrt, so f\u00fchlte er kalte glitschige H\u00e4nde im Genick und h\u00f6rte ein heiseres Kichern, an dem er die Nixe erkannte. Sein Gesicht wurde fest ins Wasser gedr\u00fcckt und so klein die Lache war, verschwand er darin und lebt seitdem wieder bei der Nixe.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"711\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2E3C9FBF-007A-4D34-A6BD-4A07A2C73CDA-711x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16054\" srcset=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2E3C9FBF-007A-4D34-A6BD-4A07A2C73CDA-711x1024.jpeg 711w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2E3C9FBF-007A-4D34-A6BD-4A07A2C73CDA-208x300.jpeg 208w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2E3C9FBF-007A-4D34-A6BD-4A07A2C73CDA-768x1107.jpeg 768w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2E3C9FBF-007A-4D34-A6BD-4A07A2C73CDA-1066x1536.jpeg 1066w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2E3C9FBF-007A-4D34-A6BD-4A07A2C73CDA.jpeg 1242w\" sizes=\"auto, (max-width: 711px) 100vw, 711px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Hirte und die Kr\u00f6te<\/h2>\n\n\n\n<p>Es war vor vielen, vielen Jahren, als zwischen der D\u00f6lauer Heide und der Stadt Wettin die Sch\u00e4fer noch Begegnungen mit M\u00e4rchengestalten hatten. Zu einem jungen Hirten kam nun an zwei Morgen hintereinander eine Kr\u00f6te, die ihn jedesmal freundlich gr\u00fc\u00dfte. Am dritten Morgen bat sie ihn, er m\u00f6chte sie doch k\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWarum sollte ich dich k\u00fcssen, du h\u00e4\u00dfliches Tier?\u201c Der Hirte sah die Kr\u00f6te geringsch\u00e4tzig an und wollte mit seiner Herde weiterziehen \u201eHalt, warte nur&#8220;, rief die Kr\u00f6te, \u201ewenn du mich k\u00fc\u00dft, werde ich erl\u00f6st und heirate dich.&#8220; Da graute es ihn, und er zog schnell weiter. Am vierten Morgen, die Sonne war eben aufgegangen, sa\u00df der junge Hirte bei seiner Herde, als ihm im hellen Sonnenlicht ein wundersch\u00f6nes M\u00e4dchen entgegen kam. Mit trauriger Stimme sprach sie ihn an: \u201eWarum hast du mich nicht gek\u00fc\u00dft? Ich war eine Kr\u00f6te. Vorher war ich eine reiche Prinzessin, aber du hast mich nicht erl\u00f6st, und ich kann es auch nie mehr werden.&#8220; Da zog eine schwarze Wolke vor die Sonne. Die Prinzessin war verschwunden. Im Gras aber h\u00fcpfte, plitsch, platsch, eine dicke warzige Kr\u00f6te.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einer merkw\u00fcrdigen Geschichte aus Wettin m\u00f6chten wir uns von dieser Stadt verabschieden und uns zwei interessanten Gemeinden an der Saale zuwenden. Wir hatten sie zwei Jahre vorher bei einer Saalewanderung aufgesucht, Salzm\u00fcnde und Kloschwitz. Irgendwo dahinten am Horizont, hinter Wettin\u201a ist Kloschwitz zu suchen. Die pyramidale Halde bei Johannashall hebt sich aus dem Dunst bl\u00e4ulich hervor. Salzm\u00fcnde liegt etwas zu tief im Tal. Sehen k\u00f6nnen wir es vom Petersberg aus nicht. Die Sicht ist allerdings auch nicht sehr klar. Doch zun\u00e4chst zu der Wettiner Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Erdbeben von Lissabon<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1757 wurde Lissabon durch ein Erdbeben zerst\u00f6rt. Die Auswirkungen dieses Erdbebens sollen in Wettin zu sp\u00fcren gewesen sein. Ein Schiffer, mit Namen Demmer, lag mit seinem Frachtkahn in Wettin vor Anker. Pl\u00f6tzlich erhob sich bei windstillem Wetter eine hohe Welle im Flu\u00df. Der Kahn wurde mit dieser Welle hochgehoben. Danach war die Saale ruhig wie zuvor.<\/p>\n\n\n\n<p>Salzm\u00fcnde liegt dort, wo die Salzke in die Saale m\u00fcndet, s\u00fcdwestlich von unserem Schauinsland, dem Petersberg. Umgeben ist dieser Ort von drei H\u00f6hen der Ausl\u00e4ufer des mansfeldischen Hochplateaus, dem Schlo\u00dfberg, dem Bierh\u00fcgel und dem \u00d6lberg. Die Herkunft der Namen Schlo\u00dfberg und Bierh\u00fcgel sind bekannt. Woher der Name \u00d6lberg kommt, ist nicht genau zu kl\u00e4ren. Wahrscheinlich gab es dort eine \u00d6lm\u00fchle. Warum der westlich von Salzm\u00fcnde ansteigende Berg Bierh\u00fcgel hei\u00dft, erz\u00e4hlt folgende Sage \u00fcber einen alten Brauch, der noch vor wenigen Jahren gepflegt wurde.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Himmelfahrtsscheune und Bierh\u00fcgel<\/h2>\n\n\n\n<p>In Fienstedt feierte man zu Himmelfahrt ein Fest. In einer eigens dazu hergerichteten Scheune, der \u201eHimmelfahrtsscheune\u201c, wurden 7 Eimer Bier getrunken und bis in die Nachtstunden musiziert und getanzt. Dieser Brauch soll auf folgende Begebenheit zur\u00fcck- f\u00fchren:<\/p>\n\n\n\n<p>Eine K\u00f6nigin mit Namen Elisabeth kam vor 700 Jahren nach Fienstedt. Die Einwohner bereiteten ihr einen w\u00fcrdigen Empfang und stellten zur Erfrischung 7 Eimer Bier f\u00fcr die K\u00f6nigin mit ihrem Gefolge bereit. Dar\u00fcber war die K\u00f6nigin Elisabeth hoch erfreut und erlie\u00df daraufhin den Bauern von Fienstedt f\u00fcr alle Zeit die Steuern unter der Bedingung, allj\u00e4hrlich am Himmelfahrtstag ihr zu Ehren 7 Eimer Bier bei einem Fest zu trinken. Sollte dieser Brauch aber nicht mehr gepflegt werden, sind sie verpflichtet, der Obrigkeit den zehnten Teil ihres Einkommens, ein schwarzes Rind mit wei\u00dfer Bl\u00e4sse, einen Ziegenbock mit vergoldeten H\u00f6rnern und ein viersp\u00e4nniges Fuhrwerk voll Semmeln zu entrichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Brauch war noch in Krimpe, Gorsleben, Z\u00f6rnitz und G\u00f6dewitz bekannt. In G\u00f6dewitz wurde aber keine Himmelfahrtsscheune hergerichtet. Man ging auf einen H\u00fcgel bei Salzm\u00fcnde, der noch heute \u201eBierh\u00fcgel\u201c genannt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Brachwitz, einer Gemeinde \u00f6stlich von Salzm\u00fcnde, tritt die Saale in unseren Kreis, dem Saalkreis, ein. Dort und im Dorf Schochwitz gab es einen alten Brauch.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Brautsuchen<\/h2>\n\n\n\n<p>In Schochwitz und Brachwitz verkleideten sich zu Pfingsten ein Bursche und ein M\u00e4dchen und versteckten sich au\u00dferhalb des Dorfes im Geb\u00fcsch oder hohen Gras.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ganze Dorf zog nun aus, das \u201eBrautpaor\u201c zu suchen. Musikanten begleiteten sie dabei. Wenn das Paar gefunden war, umringte es die ganze Gemeinde und neckte sie mit Andeutungen auf ihr Verl\u00f6bnis und ihre sp\u00e4tere Hochzeit. Mit Musik und Jubel ging es dann ins Dorf zur\u00fcck. Bis zum Abend wurde ein fr\u00f6hliches Fest gefeiert. Es wurde getanzt, getrunken, gescherzt, gelacht und das Brautpaar schmiedete Pl\u00e4ne f\u00fcr die Zukunft. Das Paar wurde auch Prinz und Prinzessin genannt. Meist verkleideten sie sich als solche. Ein sch\u00f6ner alter Brauch, bei den jungen Schochwitzern und Brachwitzern wohl nicht mehr bekannt. Die \u00e4lteren B\u00fcrger k\u00f6nnen sich nur dunkel daran erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Als wir damals das Saaletal durchwanderten, konnten wir nicht im einem idyllischen Heidedorf vorbeigehen. Lieskau. Es sind schon einige Kilometer Umweg gewesen, aber es hat sich gelohnt. Doch zuvor, gleich am Anfang der Salzm\u00fcnder Stra\u00dfe in Richtung D\u00f6lau, entdeckten wir eine uralte Quelle, die noch heute ihr schmackhaftes Wasser in einem kleinen Rinnsal abgibt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die \u00dcberroder Quelle<\/h2>\n\n\n\n<p>Von allen guten Wassergeistern ist Salzm\u00fcnde noch nicht verlassen. Diese kleinen Fabelwesen haben viele Jahre eine Quelle, deren Wasser rein und klar flie\u00dft. bewacht und sie vor den Augen der vor\u00fcberfahrenden und -gehenden Leute versteckt. Am Ortsausgang von Salzm\u00fcnde liegt sie rechterhand im Apfelgrund. Diese Flur geh\u00f6rte zur w\u00fcsten Dorfst\u00e4tte \u00dcberrode, dessen Mark zu je einem Viertel an Schiepzig, Benkendorf, Salzm\u00fcnde und Zappendorf fiel. Mauerreste und einen Keller, die \u00dcberreste des Ortes \u00dcberrode, fand man noch um 1830. Die Quelle bei der W\u00fcstung wurde 1806 mit Sandsteinen eingefa\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Heimatforscher Schulze-Gallera berichtete im Jahre 1913, diese eingeschlagene Jahreszahl (1906) im obersten Sandstein gesehen zu haben. Die oberen Sandsteine fehlen heute und damit dieser alte Stein.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Pflege der Quelle und des Grabens waren 14 Familien der 4 genannten Orte verpflichtet. Alle Jahre vor Himmelfahrt reinigten sie den Grund. Sie hatten daf\u00fcr die Nutznie\u00dfung einer Wiese. Jedes Jahr nutzten sie 2 Familien, die daf\u00fcr den \u00fcbrigen 12 eine Mahlzeit ausrichten mu\u00dften.<\/p>\n\n\n\n<p>In hei\u00dfen Sommermonaten holten sich die Schiepziger B\u00fcrger sogar Wasser vom Quell. Das spricht f\u00fcr die gute Qualit\u00e4t des Wassers.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Quelle, die leider zugewachsen und daher kaum zu finden war, haben wir uns auf unserer Wanderung erfrischt. Etwa nach 20 Minuten erreichten wir auf der Salzm\u00fcnder Stra\u00dfe den Mordweg, das ist der Abzweig nach Lieskau.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Mordweg bei Lieskau<\/h2>\n\n\n\n<p>Er hat seinen Namen von einer tats\u00e4chlichen Begebenheit. Den M\u00e4dchen und Burschen, die in der nicht motorisierten Zeit noch zu Fu\u00df von Schiepzig nach Lieskau zum Tanz gingen, war der Weg, der von der Salzm\u00fcnder Stra\u00dfe nach Lieskau abzweigt, unheimlich. Als Mordweg oder als Mordgrund ist er heute noch bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sohn des Schiepziger Kantors wurde auf diesem Weg am 11. September 1858 irrt\u00fcmlich durch einen Meuchelm\u00f6rder erschossen. Die Kugel hatte einem anderen gegolten. Die Gemeinde Schiepzig hat an der Mordstelle einen etwa 40cm hohen Gedenkstein errichten lassen. Auf dem roten Sandstein ist noch deutlich die eingemei\u00dfelte Inschrift zu lesen, welche lautet: \u201eHier fiel durch M\u00f6rderhand am 11. September 1858 Ernst Heinrich H a r n i s c h&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Wer schon einmal auf der H\u00f6he des Petersberges stand, wird unsere Begeisterung \u00fcber die herrliche Aussicht begreifen. Es gibt in der Tat nichts in unserer n\u00e4heren Heimat, was sich mit dem Rundblick vom Petersberg aus vergleichen lie\u00dfe. Nachdem wir uns mit einem mitgebrachten Imbi\u00df gest\u00e4rkt hatten, verlassen wir nun unseren Platz am Brautstein, um uns von anderer Stelle aus weiter im Saalkreis umzusehen.<\/p>\n\n\n\n<p>S\u00fcdwestlich zieht sich das graugr\u00fcne Band der F\u00f6hren der D\u00f6lauer Heide hin. Einst geh\u00f6rte die D\u00f6lauer Heide zum Saalkreis. 1929 wurde die Heide von der Stadt Halle k\u00e4uflich erworben. Nur ein kleines St\u00fcck davon geh\u00f6rt noch zum Saalkreis, der Lintbusch. Das ist der westlichste Zipfel des Waldes. Das Heidedorf Lieskau liegt von den Saalkreisd\u00f6rfern am n\u00e4chsten dem Stadtkreis Halle.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das M\u00f6nchsholz<\/h2>\n\n\n\n<p>Es ist ein Waldst\u00fcck, das zwar zu Halle geh\u00f6rt, aber dadurch, da\u00df Lieskau von dessen B\u00e4umen ges\u00e4umt wird, mehr mit dieser Saalkreisgemeinde Verbindung hat. Es ist ein altes Lehn- und Eigentumsst\u00fcck des Pauliner Klosters der Predigerm\u00f6nche aus Halle gewesen. In der Abgrenzung des erzbisch\u00f6flichen Jagdgeheges vom Jahre 1470 steht bereits geschrieben: ,, . . . von Granau bis an der M\u00f6nchenholz.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses St\u00fcck Wald und das schmucke Heidedorf Lieskau verdienen wohl mehr Beachtung. Man f\u00fchlt sich in eine der sch\u00f6nsten UrIaubsgegenden\u201a wie sie im Raum Berlin oder der Uckermark vorkommen, versetzt. Gepflegte H\u00e4user und Stra\u00dfen und ein pr\u00e4chtiges Waldst\u00fcck mit feinstem Sandboden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Maienzeit pr\u00e4sentiert sich das M\u00f6nchsholz in voller Sch\u00f6nheit. Zwischen Kiefern, Eichen und Birken beleben junge Kastanien und buschf\u00f6rmige Traubenkirschen mit ihren wei\u00dfen Bl\u00fcten den Wald. Einen berauschenden Duft verbreitet die Bodenflora. Das Maigl\u00f6ckchen beginnt zu bl\u00fchen und vereinzelt leuchtet dazwischen das kr\u00e4ftige Gelb der Bl\u00fcten des immergr\u00fcnen Strauches\u201a der Berberitze.<\/p>\n\n\n\n<p>Die wei\u00dfen St\u00e4mme der Birken und ihre zarten Bl\u00e4tter bringen frohe Stimmung in das Maienbild des Waldes. Die Weite Verbreitung und das h\u00e4ufige Vorkommen haben die heimische Birke zu einem f\u00fcr uns allt\u00e4glichen Baum gemacht. Ihre einmalige Sch\u00f6nheit wird schon gar nicht mehr gesehen. Und doch gibt es kaum etwas Eigenartigeres.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich ein wenig Phantasie bewahrt hat, erkennt zwischen dunklen Eichen die verzauberte Prinzessin Zorges, die in einem Berg bei Lieskau ihr unterirdisches Schlo\u00df bewohnt. Schwarz und wei\u00df gekleidet erscheint sie dem Heidewanderer wie eine zierliche Birke.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Prinzessin Zorges erscheint um Mitternacht<\/h2>\n\n\n\n<p>Es bl\u00fcht in den Tagen nach Neujahr der Schnee in den Wolken. Wie silbrig glitzernde Sterne streut er sich \u00fcber das Land und verzaubert Wald und D\u00f6rfer in eine M\u00e4rchenwelt. In alten Zeiten soll trotz klirrender K\u00e4lte, in den Januarn\u00e4chten um Mitternacht, der Zorgesberg in der D\u00f6lauer Heide von unglaublichem Glanz erstrahlt sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Prinzessin mit Namen Zorges wurde von ihren Verwandten in die Heide verbannt. Sie bewohnte dort ein unterirdisches Schlo\u00df von gro\u00dfer Sch\u00f6nheit in dem nach ihr benannten Zorgesberge. Sie verl\u00e4\u00dft es nur um Mitternacht, wenn die Turmuhr der Lieskauer Kirche die zw\u00f6lfte Stunde schl\u00e4gt. Mit dem Glockenschlag \u201e1\u201c verschwindet sie dann wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor vielen, vielen Jahren hat eine alte Frau die Prinzessin gesehen, als sie um Mitternacht von K\u00f6llme nach Halle ging. Um 12 Uhr \u00f6ffnete sich der Berg, und heraus glitt ein gl\u00e4serner Schlitten mit 4 wei\u00dfen Pferden bespannt. Auf dem Prachtschlitten sa\u00dfen Prinzessin Zorges und Damen und Herren, mit kostbaren Edelsteinen geschm\u00fcckt. Die Zweige der verschneiten B\u00e4ume trugen helle Sterne und spr\u00fchten alles in glei\u00dfendes Licht.<\/p>\n\n\n\n<p>Hoher Lohn wurde dem n\u00e4chtlichen Wanderer, der ein gutes Gewissen hatte und der Prinzessin nicht auswich. Prinzessin Zorges bat nur darum, da\u00df er zu ihrer Erl\u00f6sung behilflich sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer anderen Sage nach hat sie schon manchen erschreckt, der um diese Zeit auf unrechtem Wege ging. Dabei war sie angetan mit einem schwarzen Kleide\u201a wei\u00dfer Sch\u00fcrze und schwarz-wei\u00df gew\u00fcrfelter M\u00fctze. Am G\u00fcrtel trug sie ein gro\u00dfes Schl\u00fcsselbund. lm wei\u00dfen Kleid auf schwarzem Pferd, begleitet von einem Hunde, wurde sie nach dem Granauer Holz reitend gesehen. Und weiter soll die wei\u00dfe Frau, die man in der Geisterstunde bei D\u00f6lau in einer von Ziegenb\u00f6cken gezogenen Kutsche fahren sah, keine andere gewesen sein als die Zorges-Prinzessin.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Lintbusch bei Lieskau<\/h2>\n\n\n\n<p>Das westliche St\u00fcck der D\u00f6lauer Heide bei Lieskau wird der Lintbusch genannt. Nach einer Fabel soll dort einst ein \u201eLintwurm\u201c gehaust, Mensch und Tier geraubt und verzehrt haben. Im 4. Jahrhundert befreite der Ritter Prinz Georg die Umgebung von diesem Tier. Dieser Ritter, katholischer Heiliger Sankt Georg, ist heute noch Schutzheiliger von Mansfeld und wird seit dem 12. Jahrhundert in der Kunst als Drachent\u00f6ter dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"728\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/19E55C6B-7284-4675-8EA8-8D03EE8E4504-728x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16053\" srcset=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/19E55C6B-7284-4675-8EA8-8D03EE8E4504-728x1024.jpeg 728w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/19E55C6B-7284-4675-8EA8-8D03EE8E4504-213x300.jpeg 213w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/19E55C6B-7284-4675-8EA8-8D03EE8E4504-768x1080.jpeg 768w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/19E55C6B-7284-4675-8EA8-8D03EE8E4504-1093x1536.jpeg 1093w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/19E55C6B-7284-4675-8EA8-8D03EE8E4504.jpeg 1242w\" sizes=\"auto, (max-width: 728px) 100vw, 728px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Pfingstmaien vom Lauseh\u00fcgel bei Lieskau<\/h2>\n\n\n\n<p>Zwischen dem Lieskauer und dem K\u00f6llmer Weg in der D\u00f6lauer Heide befindet sich ein Berg, der sich 115 m \u00fcber dem Meeresspiegel erhebt. In fr\u00fcheren Zeiten, als die Burschen ihren Auserw\u00e4hlten noch Maien vor die Haust\u00fcr stellten, trug dieser Berg ein Birkenw\u00e4ldchen, aus dem vor jedem Pfingstfest Maien gestohlen wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Waldarbeiter, die der F\u00f6rster zu Pfingsten zur Wache aufgestellt hatte, trafen auch die Diebe an. Diese aber hatten, um den Verdacht von sich abzulenken, eine List erdacht. Sie erz\u00e4hlten den Waldarbeitern, da\u00df sie Handwerksburschen und auf Wanderschaft seien und hier im Wald \u00fcbernachtet h\u00e4tten. Dann zogen sie sich vor den W\u00e4chtern aus und taten so, als ob sie sich gegenseitig von Ungeziefer befreiten. Die Waldarbeiter waren entsetzt und f\u00fcrchteten, sie k\u00f6nnten auch L\u00e4use bekommen. Schnell zogen sie wieder ab. Die Diebe konnten nun in Ruhe die Pfingstmaien schlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit dieser Zeit aber wird der Berg der Lauseh\u00fcgel genannt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Wolfsschlucht<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Fluidum, das von den sp\u00e4tromantischen Bildern Ludwig Richters (1803\u20141884) ausgeht, kann man in natura beim Spaziergang in der D\u00f6lauer Heide erleben. Knochige Eichen stehen am Weg, deren Wurzeln sich am Hang in den Boden krallen und kleine H\u00f6hlen bilden. Man meint, es k\u00e4me jeden Moment ein Wichtelmann aus diesem Unterschlupf. Eichh\u00f6rnchen huschen am Baum empor, und das Gebrumm der K\u00e4fer, das Jubilieren der V\u00f6gel runden diese m\u00e4rchenhafte Stimmung ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wolfsschlucht, ein enger Talweg zwischen Bischofswiese und dem Tonberg, hat ihren Namen tats\u00e4chlich von einst hier vorgekommenen W\u00f6lfen. Noch bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es sie. Damals mu\u00dfte der D\u00f6lauer K\u00fcster, mit einem Spie\u00df bewaffnet, den Pfarrer von Lettin bis zur Wolfsschlucht geleiten, wenn dieser zu Amtshandlungen nach Nietleben ging. In der Wolfsschlucht empfing der Nietlebener K\u00fcster den Pfarrer und geleitete ihn weiter. F\u00fcr das Geleit zum Schutz gegen die W\u00f6lfe erhielt der D\u00f6lauer K\u00fcster sogenannte \u201eWolfsbrote&#8220;. Dieser Wolfszins wurde noch bis 1880 von einigen Familien in D\u00f6lau entrichtet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Heimatsagen aus der Lieskauer Umgebung geh\u00f6ren genauso zum Saalkreis einerseits wie zur D\u00f6lauer Heide andererseits. Die Grenze vermischt sich ebenso wie die Grenze zwischen M\u00f6nchsholz in der Gemeinde Lieskau.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Wanderung damals hatten wir uns den reizendsten Abschnitt entlang der Saale bis zuletzt aufgehoben. Die Saale, die unserem Kreis den Namen gibt, durchzieht eines der sch\u00f6nsten Flu\u00dft\u00e4ler im mitteleurop\u00e4ischen Raum. Vielf\u00e4ltig sind die Landschaftsbilder. Bewaldete H\u00f6hen und steile Felsen an ihrem Ufer gehen \u00fcber zu lieblichen H\u00f6henz\u00fcgen mit Obst- und Weing\u00e4rten\u201a klingen dann aus mit fruchtbaren Wiesen und Ackern. An St\u00e4dten, D\u00f6rfern, Burgen und Schl\u00f6ssern vorbei windet sich der viel besungene Flu\u00df durchs Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Sagen, Lieder und Gedichte um die Saale beschreiben die Anmut und Romantik dieses Flusses, dessen Bett in vielen hunderttausend Jahren entstand. Die Saale entspringt auf der H\u00f6he des Fichtelberges am Hang des gro\u00dfen Waldsteines, nahe dem D\u00f6rfchen Zell, rund 700 m \u00fcber dem Meeresspiegel. Bei Hirschberg tritt sie in das Gebiet der DDR ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Barby, n\u00f6rdlich von Bernburg, ergie\u00dft sich die Saale in die Elbe. Von der Quelle bis zur M\u00fcndung sind es 200 km Luftlinie. Durch die vielen Windungen hat der Flu\u00df aber eine L\u00e4nge von 427 km. In ihrem Lauf \u00fcberwindet sie einen H\u00f6henunterschied von 600 m.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Saaletal zwischen Wettin und Rothenburg bestimmt die Landschaft des Saalkreises. Neben dem Petersberg ist die Burg Wettin an der Saale zum Symbol des Kreises geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine wahre Perle des Saalkreises aber ist die Gemeinde Kloschwitz. Von der \u201eHimmelsleiter\u2019\u201c, einem steilen Aufstieg zur Klotzenburg, der ehemaligen Palisadenburg aus dem 9. Jahrhundert, hat man einen zauberhaften Rundblick. Kloschwitz ist ein Paradies f\u00fcr Camping- und Naturfreunde. Der ehemalige B\u00fcrgermeister hatte sich in dieser Richtung sehr engagiert. Die bekannte Salzquelle wurde zur Kneippanlage ausgebaut. F\u00fcr Campingfreunde gibt es einen sch\u00f6nen Platz am Saaleufer und der Ausbau der Wanderwege im Naturschutzgebiet ist vorbildlich. Der Kloschwitzer Bl\u00fctengrund, eine Talschneise im Ausl\u00e4ufer des Mansfelder Hochplateaus, ist allj\u00e4hrlich zur Baumbl\u00fcte und zum Bl\u00fctenfest der Gemeinde begehrtes Ausflugsziel. Es gibt von dieser Gegend aber eine schauerliche Sage.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wegen einer Schnauze voll Futter<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Wanderer, der durch den Kloschwitzer Bl\u00fctengrund hinauf in Richtung Beesenstedt seinen Weg nimmt, f\u00fchlt sich zur\u00fcckversetzt in die romantische Zeit der Wasserm\u00fchlen. Die M\u00fchlen sind zwar verschwunden, aber der M\u00fchlbach rauscht und murmelt noch die Schneise hinunter zur Saale. Links und rechts steigen teils steil, teils sanft die H\u00e4nge an, bewachsen mit duftenden Gr\u00e4sern und Kr\u00e4utern. Was aber den Kloschwitzer Grund ber\u00fchmt machte, sind die Apfel- und Kirschb\u00e4ume zur Bl\u00fctezeit. Ein s\u00fc\u00dfer berauschender Duft durchzieht den Grund und die L\u00fcfte sind voll Gesumm der Millionen Bienen, die von Bl\u00fcte zu Bl\u00fcte fliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ungef\u00e4hr in der Mitte des Grundes zweigt der Mordgrund ab. Der Name pa\u00dft so gar nicht in die fr\u00f6hliche Landschaft. Die Sage erz\u00e4hlt, da\u00df vor Zeiten zwei Sch\u00e4fer verschiedener Herren ihre Schafe dort weideten. Ein gro\u00dfer Stein markierte die Grenze der Weidefl\u00e4chen. Die Sch\u00e4fer \u00fcberschritten die Grenze nie. Die Schafe konnten nat\u00fcrlich nicht wissen, wo das Gras der anderen Seite anfing.<\/p>\n\n\n\n<p>Als des einen Schafe nun eines Tages auf der fremden Seite ihr Futter holten, war der andere Hirte so erbost dar\u00fcber, da\u00df er den Sch\u00e4fer gegen\u00fcber erschlug und ihn danach unter dem gro\u00dfen Grenzstein begrub. Noch heute hei\u00dft dieser Stein der \u201eSch\u00e4ferstein&#8220;. Die Leute sagen: \u201eUnd das alles wegen einer Schnauze voll Futter.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor wir damals Kloschwitz verlie\u00dfen, probierten wir von der Salzquelle. Das Wasser, klar und rein, schmeckte angenehm leicht salzig. In fr\u00fcheren Jahren wurde auch an dieser Stelle ein alter Brauch gepflegt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/8F27DBB8-356A-49B1-B1FD-15C81511EB72-740x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16052\" width=\"674\" height=\"932\" srcset=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/8F27DBB8-356A-49B1-B1FD-15C81511EB72-740x1024.jpeg 740w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/8F27DBB8-356A-49B1-B1FD-15C81511EB72-217x300.jpeg 217w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/8F27DBB8-356A-49B1-B1FD-15C81511EB72-768x1062.jpeg 768w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/8F27DBB8-356A-49B1-B1FD-15C81511EB72-1110x1536.jpeg 1110w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/8F27DBB8-356A-49B1-B1FD-15C81511EB72.jpeg 1242w\" sizes=\"auto, (max-width: 674px) 100vw, 674px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Osterwasser holen<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Osterfest ist besonders dazu angetan, das neue Leben zu begr\u00fc\u00dfen. Mit dem Osterfest verkn\u00fcpfen sich volkst\u00fcmliche Br\u00e4uche, die meist auf Fr\u00fchlingsfeiern vor unserer Zeitrechnung zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Fruchtbarkeitssinnbilder, wie das Ei, das Lamm und der Hase wurden als Speise bereitet und dazu das Osterbrot gebacken.<\/p>\n\n\n\n<p>Ostern\u201a nach einer angeblich germanischen Fr\u00fchlingsg\u00f6ttin Ostara benannt, ist auch das \u00e4lteste christliche Fest. Seit dem Konzil von Nic\u00e4a um das Jahr 325 wurde es auf den ersten Sonntag nach dem ersten Fr\u00fchjahrsvollmond festgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weit verbreiteter Brauch war das Osterwasserholen. Im Saalkreis z. B. war es noch in den 50er Jahren bekannt. \u00c4ltere B\u00fcrger aus Passendorf\u201a Lettewitz und Kloschwitz erinnern sich daran. Das Wasser wurde an einer Quelle gesch\u00f6pft. Zauberkr\u00e4ftig und gesundmachend soll es gewesen sein. Vor Sonnenaufgang wurde es geholt und dabei durfte nicht gesprochen werden, sonst verlor es seine Kraft. Eine Schale davon, geschm\u00fcckt mit Weidenk\u00e4tzchen, stellte man in der Wohnung auf, um b\u00f6se Geister zu vertreiben. Man trank auch davon und wusch sich damit, dann war man das ganze Jahr sicher vor Krankheiten. Die Wirkung des Osterwassers ist nat\u00fcrlich Aberglaube. Die Nutzung aber der von der Gemeinde Kloschwitz eingerichteten Kneippanlage an der Quelle dient tats\u00e4chlich der Gesunderhaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Wanderung rund um den Petersberg f\u00fchrt uns nun zur\u00fcck vom Brautstein durch den Kirchhof die Stra\u00dfe hinunter zur Festwiese. Dort finden aller 2 Jahre die Arbeiter- und Bauernfestspiele statt. Der Blick in n\u00f6rdliche Richtung wird durch dichte Bewaldung verhindert. Nur vom Garten der \u201eFernsehgastst\u00e4tte\u201c, oberhalb der Festwiese, bietet sich uns ein Blick in die Weite des Fuhnetales. Die Fuhne bildet einen Teil der Saalkreisgrenze. Das starke Gef\u00e4lle zum Tal im Norden des Petersberges wird durch Aufsch\u00fcttungen slawischer Befestigungen aus dem 8.\/9. Jahrhundert unterbrochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Tief unten, am Rande des Fuhnetales, unterhalb des H\u00f6henr\u00fcckens, der sich von Rothenburg bis zum Petersberg hinzieht, liegen einige kleine Gemeinden. Auch die Stadt L\u00f6bej\u00fcn entzieht sich zun\u00e4chst den Blicken des Wanderers, wenn man von Nauendorf kommend diese Stadt erreichen will. Bevor man aber auf diesem Weg nach L\u00f6bej\u00fcn kommt, durchwandert man Merbitz und da soll es nicht ganz geheuer sein. Eine Sage erz\u00e4hlt davon.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Galgenschenke bei Merbitz<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine schwarze Katze auf dem Weg hat schon so manchen erschreckt und \u00e4ngstlich gemacht. Ungl\u00fcck soll daraus folgen, aber wer glaubt schon an solchen Unfug. Begegnet man aber einem gro\u00dfen schwarzen Hund auf einsamen Wegen, so rutscht das Herz bald in die Hose.<\/p>\n\n\n\n<p>In fr\u00fcheren Zeiten soll es denen, die sich nachts auf der Stra\u00dfe zwischen Merbitz und L\u00f6bej\u00fcn befanden, so ergangen sein. Auf den Feldern entlang der Stra\u00dfe war das Geklirr von Ketten zu h\u00f6ren, und angstvolle Wortfetzen drangen in die Nacht. Bald darauf sprang aus dem Kornfeld ein grimmiger schwarzer Hund.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Spukerscheinungen waren ganz in der N\u00e4he eines einsamen Gasthofes, der \u201eGalgenschenke\u201c. Er hie\u00df so, da nicht weit davon der Merbitzer Galgen stand.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wirt der \u201eGalgenschenke\u201c hatte einst reichlich \u00fcber den Durst getrunken. \u00dcberm\u00fctig rief er einem Gehenkten des nahen Galgens zu: \u201eKomm mit und leiste mir Gesellschaft, und la\u00df uns zusammen trinken!&#8220; Wie erstarrte er pl\u00f6tzlich, als die T\u00fcr aufging und der Gehenkte in seiner Erb\u00e4rmlichkeit herein kam und ihm winkte, als wolle er mittrinken. &#8218;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frau des Wirtes fand ihren Mann am anderen Morgen starr und fast leblos am Tisch sitzend. Er stammelte ihr sein n\u00e4chtliches Erlebnis. Sie hielt es f\u00fcr wirres Zeug und schallt ihn. Da \u00f6ffnete der Wirt nochmals seinen Mund, als wolle er etwas sagen und fiel tot zu Boden. Der Wirt fand seit dieser Zeit im Grab keine Ruhe und durchstreifte, als Hund verwandelt, die Felder in der N\u00e4he der \u201eGalgenschenke\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist schon einige Jahre her, damals, es war tiefster Winter\u201a wanderten wir vom Bahnhof Nauendorf nach L\u00f6bej\u00fcn. Auf halbem Wege fing es zu schneien an, als w\u00e4ren die Betten der Frau Holle aufgerissen. Dann lag sie unter uns, die liebe Stadt, verschneit, vertr\u00e4umt\u201a ein Winterm\u00e4rchen. Durch das Hallesche Tor betraten wir die mittelalterliche Stadt L\u00f6bej\u00fcn. Dieses Tor ist das einzige erhaltene Stadttor im Saalkreis. Der untere Teil wurde 1607 erbaut, der obere Teil 1743.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Name der Stadt L\u00f6bej\u00fcn<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Chronisten der alten Zeit haben \u00fcber die Entstehung des Namens der Stadt L\u00f6bej\u00fcn verschiedene Ansichten. Die einen leiten ihn von der G\u00f6ttin Juno ab und L\u00f6bej\u00fcn also \u201eLiebe Juno\u201c hei\u00dft. Best\u00e4rkt wurde man hierin, weil in dieser Gegend verschiedene andere r\u00f6mische Gottheiten verehrt wurden, so der Gott Apollo und der Kriegsgott Mars, nach diesem Merseburg benannt sei.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Andere Chronisten sagen, die Stadt habe urspr\u00fcnglich aus 2 D\u00f6rfern bestanden, n\u00e4mlich aus L\u00f6b und J\u00fcn. Das geh\u00f6rt jedoch alles ins Reich der Fabel.<\/p>\n\n\n\n<p>Urkundlich tritt der nAme des Ortes erstmals 961 auf, Liubechun, 1124 Lobechune und 1202 Lubechun. Der Name ist zweifellos slawisch, wie alle Ortsnamen in der Umgebung slawischen Ursprungs sind. Stra\u00dfe- und Flurnamen L\u00f6bej\u00fcns deuten auch noch darauf hin. So die Stra\u00dfe K\u00e4mnitz (K\u00e4mese). Die alte slawische Wortwurzel Lieb steckt im Namen L\u00f6bej\u00fcn, die auch im Namen des slawischen Gottes L\u00fcbbe (der Liebe) erscheint. In \u00e4ltester Zeit wurde der Name des Ortes L\u00fcbbejun oder Lubbechun gesprochen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Frau Motte in L\u00f6bej\u00fcn<\/h2>\n\n\n\n<p>Die alten Sagen aus dem Saalkreis machen uns deutlich, wie \u00e4rmlich es oft in der Zeit ihrer Entstehung zugegangen ist. Bis in die N\u00e4chte mu\u00dften die M\u00e4dchen am Spinnrad sitzen, um den Flachs zu Garn zu spinnen. Wenn in den Wintermonaten drau\u00dfen der Sturm tobte, wurde es in den Spinnstuben still. \u201eFrau Motte geht wieder um&#8220;, fl\u00fcsterte man sich in L\u00f6bej\u00fcn zu. In den 12 N\u00e4chten und w\u00e4hrend der Fastennacht durfte nicht gesponnen werden, sonst Verdarb dieses geheimnisvolle Wesen das Garn und fuhr den M\u00e4dchen in die Haare.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Armut der Bev\u00f6lkerung in der feudal- und fr\u00fchkapitalistischen Zeit war unbeschreiblich gro\u00df. Zum Ausdruck kam dies auch in einem Ausz\u00e4hlreim der L\u00f6bej\u00fcner Kinder.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Dom&#8217;z\u201a Dorn&#8217;z\u201a Dalene<\/p><p>\u00fcbber Schlettau wedder heme<\/p><p>nach L\u00f6ej\u00fcn, der Bettelstadt.<\/p><p>In Halle hab&#8217;n se&#8217;s Brot nich satt.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Den gr\u00f6\u00dften Einschnitt im Leben der Saalkreisbewohner bildete, wie \u00fcberall im Lande, der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg. Die nicht aufh\u00f6renden Qualen w\u00e4hrend dieses Krieges hatten das Volk in tiefste Entmutigung sinken lassen. Kraftlos lie\u00df man alles \u00fcber sich ergehen. Eine Geschichte berichtet dar\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"709\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/4110863E-78B7-48A1-AB5B-63D58D6218D1-709x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16055\" srcset=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/4110863E-78B7-48A1-AB5B-63D58D6218D1-709x1024.jpeg 709w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/4110863E-78B7-48A1-AB5B-63D58D6218D1-208x300.jpeg 208w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/4110863E-78B7-48A1-AB5B-63D58D6218D1-768x1109.jpeg 768w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/4110863E-78B7-48A1-AB5B-63D58D6218D1-1063x1536.jpeg 1063w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/4110863E-78B7-48A1-AB5B-63D58D6218D1.jpeg 1242w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der \u00dcberfall bei Dachritz<\/h2>\n\n\n\n<p>Am 6. April 1642, 5 Jahre vor Ende des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges, machten sich 80 M\u00e4nner und Frauen aus L\u00f6bej\u00fcn auf, um nach Halle zu einem Jahrmarkt zu gehen. Die Wege waren unsicher, und man konnte es nicht wagen, allein \u00fcber Land zu ziehen. Die Gruppe warb au\u00dferdem noch f\u00fcr schweres Geld einen Gefreiten vom Leibregiment des Erzherzogs Leopold Wilhelm von \u00d6sterreich zu ihrem Schutz an.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Schar das Dorf Dachritz erreicht hatte, sprengten pl\u00f6tzlich 3 Reiter heran, und forderten alle Habe der Reisegruppe. Die 80 Menschen lie\u00dfen sich nun ohne jeden Widerstand von den 3 Strolchen auspl\u00fcndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Jahrzehnte vergingen, bis eine gewisse Ordnung und Ruhe wieder einkehrte. Trotzdem war es eine f\u00fcr uns heute unvorstellbar schlimme Zeit. Hunger, Pest, Armut, Brutalit\u00e4t und die Verfolgung meist unschuldiger Menschen durch die Inquisition, einer Gerichtsorganisation der katholischen Kirche seit 1183, zeichnete diese dunkle Zeit aus. Wem die Nase des Nachbarn nicht gefiel, ging zum Gericht und erz\u00e4hlte, da\u00df ihm der Nachbar das Vieh im Stalle verhext h\u00e4tte. Die Hexenjustiz ging um.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Mord Unschuldiger verdienten Adel und klerikale Obrigkeit. Je mehr Prozesse, desto h\u00f6her ihr Einkommen. Das Ausma\u00df der Hexenprozesse kannte bald keine Grenzen mehr. Vorwiegend waren es Frauen, die wochen- und monatelang gefoltert und schlie\u00dflich als Hexen verbrannt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen solchen Ort der Hexenverbrennung suchten wir auf. Wenige Kilometer nord\u00f6stlich des Petersberges liegt Ostrau, das ist unser Ziel. Die Stra\u00dfe f\u00fchrt durch das Bergholz \u00fcber Drobitz mitten durch fruchtbare Felder. Am Horizont begleitet uns das langgezogene Band des Waldes, der den Petersberg \u00f6stlich und n\u00f6rdlich im Halbkreis umschlie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>In Ostrau suchen wir den B\u00fcrgermeister auf, um N\u00e4heres \u00fcber einen Hexenproze\u00df, der vor 300 Jahren stattfand, in Erfahrung zu bringen. \u00dcber einen zugesch\u00fctteten Graben f\u00fchrt eine Br\u00fccke, an deren Ende in einem turmartigen Bauwerk der Rat der Gemeinde untergebracht ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dieser Br\u00fccke wurde damals, am 3. September 1689, Anna Marie Braunen als \u201eHexe&#8220; verbrannt. Zum Richtplatz wurde sie vom Pfarrer zu C\u00f6seln und K\u00fctten geleitet. Angeklagt war diese arme Frau der Buhlschaft mit dem Teufel. Unter anderen wurde sie unter der Folter gefragt, ob sie nicht zu Zweyen Mahlen mit Ihmen (dem Teufel) dem Brockenberge gewesen . . . Nach vollbrachter Hinrichtung schlie\u00dft die dar\u00fcber gef\u00fchrte Akte: Acto ist das peinliche Halsgerichte auf der Br\u00fccken more solenni et consveteo (d. h. nach feierlicher und gewohnter Weise) geheget wurden . .. Der Proze\u00df dauerte vom 6. Juli bis 3. September 1689.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wandern wieder zur\u00fcck zum Petersberg, um uns noch einmal von der H\u00f6he aus im Saalkreis umzuschauen. Zuvor haben wir aber im Ostrauer Schlo\u00dfpark noch einen Baum bewundert. Wie uns versichert wurde, soll es der \u00e4lteste Gingobaum in Europa sein. Immerhin hat er die stattliche H\u00f6he von 30 m. Die Heimat dieses Baumes ist China und Japan.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bericht der Hexenverbrennung hat uns zutiefst bewegt, und wir unterhalten uns auf dem R\u00fcckweg noch dar\u00fcber. Dabei erinnern wir uns noch zwei anderer Geschichten, die mit Feuer zu tun haben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mordbrennerin Magdalena Schuchart<\/h2>\n\n\n\n<p>Im 17. Jahrhundert wurden die B\u00fcrger im Norden des Saalkreises durch einige schlimme Br\u00e4nde erschreckt. Eine gewisse Magdalena Schuchart hatte zusammen mit anderen in Je\u00dfnitz an der Mulde Feuer gelegt. Dann machte sie sich nach Alsleben auf und steckte den Ort einschlie\u00dflich der adeligen H\u00e4user in Brand. In der Nacht vom 2. zum 3. Januar 1666 z\u00fcndete sie L\u00f6bej\u00fcn an. 33 H\u00e4user und viele Scheunen sanken in Schutt und Asche.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Brandes wurde sie beim Stehlen erwischt und an den Pranger gestellt. Danach jagte man sie aus der Stadt. Man ahnte ja nicht, da\u00df sie den Brand gelegt hatte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sie ging nach K\u00f6nnern und legte am 11. Januar fr\u00fch 5 Uhr Feuer. 70 H\u00e4user und 66 volle Scheunen gingen in Flammen auf, 4 Menschen fanden den Tod dabei. In K\u00f6nnern wurde die Mordbrennerin endlich ergriffen und nach dem Amtsgef\u00e4ngnis Giebichenstein gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wurde zum Scheiterhaufen verurteilt und am 19. M\u00e4rz 1666 auf dem R\u00f6derberg lebendig verbrannt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der gro\u00dfe Brand von Bennewitz<\/h2>\n\n\n\n<p>\u00dcber Bennewitz, einem Dorfe bei Gr\u00f6bers an der F 6 Halle-Leipzig, zogen im Jahre 1755 gegen Abend schwarze Gewitterwolken am Himmel hoch. Blitz auf Blitz erleuchtete die strohgedeckten H\u00fctten der Bauern. Die folgenden Donnerschl\u00e4ge lie\u00dfen die Bewohner erschrecken. Bildete doch jedes Gewitter eine gro\u00dfe Gefahr. Wie schnell war das Stroh auf den D\u00e4chern entz\u00fcndet. Die Geh\u00f6fte lagen dicht beieinander, so da\u00df bei Ausbruch eines Feuers alle H\u00e4user gef\u00e4hrdet waren. So war es denn auch. Blitz und Donnerschlag waren eins, die Erde schien zu beben. In einem Geh\u00f6ft hatte es eingeschlagen. Schnell breitete sich das Feuer aus, 4 H\u00e4user standen in Flammen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine brennende, hoch im Bogen fliegende Speckseite sprang nach Benndorf hin\u00fcber und z\u00fcndete auch hier, da\u00df fast alle H\u00e4user des Dorfes niederbrannten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sache mit der Speckseite ist wohl eine Sage. Aber immerhin, ganz unm\u00f6glich war es sicher auch nicht, da die H\u00e4user der Benndorfer dicht an der Grenze der Bennewitzer H\u00e4user standen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Inschrift in einem ehemaligen Gut zu Bennewitz berichtet von dieser Feuersbrunst. Die Kinder von Bennewitz und Benndorf hatten auch bald einen Ausz\u00e4hlreim zu ihren Spielen gebildet, der an dieses schreckliche Ereignis erinnert:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>In Bennewitz,<\/p><p>da hat&#8217;s geblitzt.<\/p><p>da sind die Bauern ausgeflitzt<\/p><p>und haben ein neues Haus gebaut<\/p><p>von Leberwurst und Sauerkraut.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Landschaft um die Wanderstra\u00dfe von Ostrau bis Petersberg ist einmalig sch\u00f6n. Besucher des Petersberges kennen meist nur den S\u00fcdhang. Hier aber von der Ostseite stellt sich der Bergriese ganz anders dar. Hinter dem Waldstreifen des Bergholzes duckt er sich, und man vermutet nicht die Majest\u00e4t dieses ehemaligen Vulkans.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur der Fernsehturm ragt als riesiger Betonmast in den grauen Januarhimmel. Jede Jahreszeit hat ihren Reiz, und jedes Wetter l\u00e4\u00dft das Land in anderen wechselnden stimmungsvollen Bildern erscheinen. Die bereits tief im Westen stehende Sonne wird von Wolkenschleiern bedeckt. Feld, Wald und H\u00e4user des Dorfes Drobitz zeichnen sich schemenhaft in gr\u00fcnlich-br\u00e4unlichen Graut\u00f6nen voneinander ab. B\u00e4ume am Rande der Stra\u00dfe vollenden dieses zarte Gem\u00e4lde mit ihrem Filigran der Zweige.<\/p>\n\n\n\n<p>Das rauhe Wetter auf dem Petersberg hat schon n\u00f6rdlichen Charakter. Die Sagen um den wilden J\u00e4ger, um G\u00f6tter, die mit Blitz und Donner \u00fcbers Land Zogen\u201a sind nicht von ungef\u00e4hr entstanden. Wenn die Herbst- und Winterst\u00fcrme an den Fensterl\u00e4den r\u00fcttelten, dann erz\u00e4hlte man sich in alten Zeiten von diesen Sagengestalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind unterdessen wieder auf dem Petersberg angekommen. In der \u201eFernsehgastst\u00e4tte\u201c haben wir zuvor zu Mittag gegessen und sind dann beim Weiterwandern durch den auf der S\u00fcdseite des Berges vorbildlich angelegten Tiergarten gegangen. Dieser Tiergarten bietet vor allem einen \u00dcberblick \u00fcber die heimatlichen Wildtiere.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir steigen diesmal vom sogenannten Aufstieg, das ist die Bergwiese auf der S\u00fcdwestseite, auf die H\u00f6he des Berges bis wenige Meter unterhalb der Klosterruine. Anstehender schwarzbrauner Porphyrfelsen ragt wie ausgestreut zwischen den Gr\u00e4sern und anderen trockenresistenten Pflanzenarten hervor. Von diesem felsigen Sonnenhang haben wir nochmals einen weiten Ausblick \u00fcber die abwechslungsreiche Landschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6stlich gr\u00fc\u00dft der Kapellenberg von Landsberg. Er ist wie der Petersberg vulkanischen Ursprungs und vor Jahrmillionen entstanden. Der Kapellenberg ist der \u00f6stlichste Ausl\u00e4ufer des Harzes und geh\u00f6rt zum Gebirgsstock des Petersberges. In fr\u00fcheren Zeiten wurde er der kleine Lauterberg genannt. Den Petersberg nannte man den gro\u00dfen Lauterberg.<\/p>\n\n\n\n<p>Sagenumwogen ist nat\u00fcrlich auch der Kapellenberg in Landsberg. So soll unter der Kapelle eine goldene Gans auf goldenen Eiern sitzen, wie \u00fcbrigens auch in einem unterirdischen Gang des Petersberges. Das sind aber nicht die einzigen goldenen G\u00e4nse\u201a im Saalkreis. Wir erz\u00e4hlten ja bereits von der unter der Kirche von Sennewitz sitzenden Gans.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt aber 2 h\u00fcbsche Sagen aus Landsberg, die von Kobolden handeln. Kobolde sind den Menschen meist freundlich gesinnt. Wehe aber, wenn man sie ver\u00e4rgert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Kobold von Landsberg<\/h2>\n\n\n\n<p>Es ist noch gar nicht so lange her, h\u00f6chstens 300 Jahre. Und was&nbsp; sind schon 300 Jahre zum Alter unserer Erde. Da zeigten sich in der Umgebung von Landsberg Kobolde. Es waren die, kleinen Wesen, die hilfreich und freundlich den Menschen begegneten. Besonders den schwer arbeitenden Bauern auf dem Felde boten sie ihre Hilfe an. Ver\u00e4rgerte man sie aber, so wurden sie sehr b\u00f6se und den Menschen zur Plage.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf einem Feld bei Landsberg pfl\u00fcgte einst ein Bauer. Da stand pl\u00f6tzlich in der Ackerfurche ein rot gekleidetes kleines M\u00e4nnchen. Es bot sich an, weiter zu pfl\u00fcgen, die Pferde zu striegeln und sie zu f\u00fcttern. \u201eWie kannst du kleiner Wicht schon helfen, geh mir aus dem Weg.\u201c Der Bauer drohte mit der Peitsche. Augenblicklich war der kleine Wicht verschwunden. Der Acker aber war ungepfl\u00fcgt wie zuvor, selbst wenn der Bauer sich weiter m\u00fchte, hinter ihm wurden die Schollen wieder zum ungebrochenen Stoppelfeld.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"733\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2380FFDB-E6FD-4E46-A49C-63CB654F4FF3-733x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16056\" srcset=\"https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2380FFDB-E6FD-4E46-A49C-63CB654F4FF3-733x1024.jpeg 733w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2380FFDB-E6FD-4E46-A49C-63CB654F4FF3-215x300.jpeg 215w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2380FFDB-E6FD-4E46-A49C-63CB654F4FF3-768x1072.jpeg 768w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2380FFDB-E6FD-4E46-A49C-63CB654F4FF3-1100x1536.jpeg 1100w, https:\/\/www.brachwitz.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2380FFDB-E6FD-4E46-A49C-63CB654F4FF3.jpeg 1242w\" sizes=\"auto, (max-width: 733px) 100vw, 733px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die steinerne G\u00f6tterhand<\/h2>\n\n\n\n<p>Durch ein Ungeheuer der altnordischen Mythologie, den Fenriswolf, einem Sohn des r\u00e4tselhaften D\u00e4monen Loki, sollten die guten Gottheiten unserer Vorfahren vernichtet werden. Durch List gelang es aber den G\u00f6ttern, den Fenriswolf zu fesseln.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zwerge des Landsberger Kapellenberges hatten ein kunstvoll geflochtenes Band gefertigt, das die G\u00f6tter dem Fenriswolf als Fessel anlegen wollten. Mi\u00dftrauisch geworden, verlangte der Wolf, da\u00df einer der G\u00f6tter die rechte Hand als Pfand f\u00fcr seine Befreiung in seinen Rachen legen solle. Das Band der Zwerge war aber unzerrei\u00dfbar und keiner der G\u00f6tter wollte seine Hand zermalmen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da meldete sich der Germanengott Ziu. Er opferte seine rechte Hand, denn als der Wolf merkte, da\u00df er \u00fcberlistet war, bi\u00df er zu. Die G\u00f6tter waren gerettet. Die Hand des Ziu aber steht noch heute als ein riesiger Stein am Ortseingang von G\u00fctz.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer anderen Sage nach soll es ein Teufelsstein, deren es viele im Saalkreis gibt, sein. Am Haus neben dem Stein am G\u00fctzer Ortseingang befindet sich ein h\u00fcbsches Schriftrelief. Da kann man lesen: Vielen im Land bin ich bekannt, weil Haus am Teufelsstein genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Tal zwischen Strengbach und Riede, die beide Zufl\u00fcsse zur Fuhne sind, waren die Kobolde einst zu Hause. Verschieden gestaltet und sehr launisch bereiteten sie den Menschen oft viel \u00c4rger. Doch kam es vor, da\u00df sie auch manchen Bauern das gro\u00dfe Gl\u00fcck ins Haus brachten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Feuerkobold zu Spickendorf<\/h2>\n\n\n\n<p>In der Schwerzer und Spickendorfer Gegend kam es vor, da\u00df in den Abend- und Nachtstunden ein schauerliches Rauschen zu h\u00f6ren war. Kurz darauf fuhr ein Kobold mit feuerigem Schweif durch die L\u00fcfte.<\/p>\n\n\n\n<p>In Spickendorf fand ein Mann am Morgen, nachdem er aufgestanden war, in der K\u00fcche vor seinem Ofen einen Berg Gold. Das kam so: Einer der Feuerkobolde, der am Abend zuvor in den L\u00fcften umherflog, war durch den Schornstein des Hauses, wo der Mann wohnte, eingedrungen. Dabei rumorte er so sehr im Ofen, so da\u00df Ru\u00df und Asche herausstoben. Der Mann wurde davon aus dem Schlaf geweckt und erinnerte sich einer Zauberformel, die ihm einst seine Gro\u00dfmutter gesagt hatte: \u201eK\u00e4k, H\u00e4nschen k\u00e4k\u201c, rief er laut und schlief dann weiter. Am Morgen fand er dann das Gold.<\/p>\n\n\n\n<p>Konnte der Kobold aber einen der Bewohner des Hauses nicht leiden, so kam es vor, da\u00df er statt Gold eine stinkende Masse ins Zimmer spie.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kobold und Postillon<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Feuerkobold rollte einst als sich stets vergr\u00f6\u00dfernde feuerige Kugel \u00fcber die Felder. Was im Wege war, wurde versengt und verbrannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Einem Postillon, der von Landsberg noch Z\u00f6rbig fuhr, rollte so eine Kugel entgegen. Der weitgereiste Postillon konnte aber die Formel, um diesen Feuerkobold zu bannen. Es war eine bestimmte Weise, die er auf seinem Horn blasen mu\u00dfte. Das tat er auch sofort und die Feuerkugel war augenblicklich verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Kobold und der b\u00f6se Bauer<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Kobold, kaum gr\u00f6\u00dfer als 2 Spannen zwischen Daumen und Zeigefinger, sa\u00df einst m\u00fcde am Wegesrand. Als ein Bauer mit seinem Pferdewagen vorbei kam, bat er darum, ein St\u00fcck mitfahren zu d\u00fcrfen. Er wurde jedoch mit der Peitsche davongejagt. Der Wagen des Bauern samt Pferden kam vom Wege ab und st\u00fcrzte<\/p>\n\n\n\n<p>einen Abhang hinunter und zerbrach.<\/p>\n\n\n\n<p>*<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist sp\u00e4t am Nachmittag, die ersten Schatten des nahen Abends legen sich auf das friedliche Land unter uns, zu F\u00fc\u00dfen des Riesen<\/p>\n\n\n\n<p>Petersberg. Mit der heraufziehenden D\u00e4mmerung versinken die Sagen- und M\u00e4rchengestalten im Nichts der folgenden Dunkelheit. Wir haben versucht, die sch\u00f6nsten Sagen, die es rings um den Petersberg gibt, zu erz\u00e4hlen. Es sind l\u00e4ngst nicht alle Sagen. Oft wiederholen sich die Geschichten. Die Teufelssteine, die goldenen G\u00e4nse und die wei\u00dfen Frauen sind nur einige Beispiele daf\u00fcr. Tiere spielen seltener eine Rolle in der Saalkreissagenwelt. Die gewaltigsten Gestalten sind der Teufel und der Wilde J\u00e4ger. Die liebenswertesten sind die Bauern und die Sch\u00e4fer und die geheimnisvollsten sind die Kobolde und die Gespenster verschiedener Frauen, wie die Roggenmume, Frau Holle oder Frau Motte, Frau Archen, Frau Rolle und wie sie sonst noch in den D\u00f6rfern genannt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bevor wir uns nun vom mons sancti Petri, dem Erhabenen, verabschieden, m\u00f6chten wir noch 2 Sagen erz\u00e4hlen. Eine Sage von einer Sau, damit die Tiere nicht in der Auswahl fehlen. Und eine l\u00e4ngere Sage, die sich \u00fcber das weite Land hinzieht und eigentlich an keinen festen Ort gebunden ist. Es ist eine Weihnachtsgeschichte. Der Wilde J\u00e4ger zeigt sich hier von einer g\u00fctigen Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Abatassinenberg \u00fcber den Petersberg und Wettin bis zur D\u00f6lauer Heide zieht allj\u00e4hrlich im Herbst und Winter das wilde Heer. Wenn die dunklen Sturmwolken \u00fcber den Petersberg hinwegziehen, mu\u00df man am Nordrand der D\u00f6lauer Heide stehen und dieses herrliche Schauspiel beobachten. Der Petersberg ist von dort aus in voller Pracht zu sehen. Die wilde Jagd wirbelt die Wolken \u00fcber das Land und durch die Wipfel der Heidef\u00f6hren rauscht sie, um sich in der Ferne zu verlieren. Doch zun\u00e4chst die merkw\u00fcrdige Sage von einer Sau.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Sau am Dachsberg<\/h2>\n\n\n\n<p>Am Dachsberg zwischen den D\u00f6rfern Hohen und Eismannsdorf ist es zur Mittagszeit nicht geheuer. Es ist-besser, einen weiten Bogen zu schlagen, wenn man bemerkt, da\u00df dort scheinbar wilde Schweine im Acker Feldfr\u00fcchte ausw\u00fchlen. Es sind aber keine Wildschweine, sondern eine dicke, fette Haussau mit ihren 12 Ferkeln. Wem sie erscheint, dem passiert ein Ungl\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Knecht Ruprecht<\/h2>\n\n\n\n<p>In den Sp\u00e4therbst- und Wintermonaten erz\u00e4hlte man sich in fr\u00fcheren Zeiten die Sage vom Wilden J\u00e4ger, der vom Petersberg \u00fcber das Saaletal zur D\u00f6lauer Heide zog. Das laute Rufen: \u201eHede, hede&#8220; und das Gebrause in den L\u00fcften war bis in die kleinste H\u00fctte zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal, so mitten im Winter, als der Wilde J\u00e4ger unterwegs war, verlor ein Tier aus seinem Gefolge die Eisen. Sein Reiter mu\u00dfte zur\u00fcckbleiben und verirrte sich, als er den wilden Zug einholen wollte. Lange suchte er. Endlich kam er zur H\u00fctte einer armen Witwe, die mit ihren Kindern am Rande eines Heidedorfes wohnte. Der Reiter, ein alter graub\u00e4rtiger Geselle, warf die T\u00fcr auf, trat mit seinem Hund ein, der auch gleich die Kinder anbellte, da\u00df sie Angst bekamen. Der wilde Geselle verlangte Essen und zu trinken. Die&nbsp; arme Frau erschrak sehr. Sie fragte nicht nach dem Namen noch nach dem Woher und Wohin. Sie brachte hastig, was gerade auf dem Herd stand, um den Gast zufriedenzustellen. Dieser a\u00df und trank, streckte die Beine von sich und versuchte, auf der Bank zu schlafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da st\u00f6rte ihn etwas. Die Frau hatte ein Licht auf den Tisch gestellt, das flammte und knisterte. Der Glanz des Lichtes war dem wilden Reiter ungewohnt nach grauen Tagen in Regen, Sturm und Schnee. Er sagte deshalb barsch zu der Frau: \u201eL\u00f6sch das Licht aus! Siehst du nicht, da\u00df ich schlafen will.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Mutter, obwohl sie viel Furcht hatte, sch\u00fcttelte den Kopf und sagte: \u201eL\u00f6schen darf ich es nicht, es winkt der Frau Gode, damit das Sonnenlicht wiederkommt und der Winter vor\u00fcbergeht.\u201c Darauf wagte der Knecht nichts mehr zu entgegnen, wu\u00dfte er doch, da\u00df sein Herr das Sonnenlicht des neuen Jahres suchte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als dann die Kinder leise und noch furchtsam zu singen anfingen, wurde sein Herz weich. Er schenkte ihnen N\u00fcsse, die er aus seiner Manteltasche hervorholte. Da getrauten die Kinder sich ihm zu n\u00e4hern und zeigten ihr Spielzeug. Einem Pferdchen fehlten Kopf und Schwanz. \u201eOh, wenn es weiter nichts ist\u201c, lachte der Mann und ging daran, beides wieder zu reparieren. Da gefiel es ihm, jetzt eifriger zu helfen. Als eines der Kinder einen Hund haben wollte, knetete er gleich einen. Er konnte richtig laufen und bellen. Wie schrien und h\u00fcpften die Kinder da und wollten bald alle ein Spielzeug. Ein Geschenk nach dem anderen entstand nun unter seinen H\u00e4nden. Puppen, B\u00e4lle, Wagen und was alles noch.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie der Mann nun mitten im Werk war, fing es drau\u00dfen furchtbar an zu st\u00fcrmen. Die T\u00fcr sprang auf und der Wilde J\u00e4ger trat ein. Hinter ihm sein Gefolge. Die begannen dr\u00f6nend zu lachen, als sie den alten Reiter mitten unter den Kindern sahen, das Spielzeug in der Hand.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas tust du hier?\u201c murrte der Wilde J\u00e4ger. Der Knecht, der eben noch froh gewesen war, seinen Herrn wiederzusehen, merkte erschrecken, da\u00df er sich verantworten sollte. \u201eAch\u201c, sagte er, \u201edas ist schwer zu erkl\u00e4ren. Seht, Herr, die Kinder haben mein Herz erweicht mit ihrem sch\u00f6nen Gesang. Man sollte so etwas nicht gering achten und es belohnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEr war so gut zu den Kindern\u201c, sagte die Witwe f\u00fcrbittend. Der Wilde J\u00e4ger wandte sich seufzend dem Reiter zu: \u201eSo bleib noch\u201c, befahl er, \u201eund geh auch in die anderen H\u00e4user und la\u00df alle Kinder singen und beschenke sie.\u201c Da freute sich der Knecht, Ruprecht hie\u00df er, und ist der Aufforderung auch gehorsam gefolgt. Er soll noch heute um die Weihnachtszeit durch die Orte gehen, um die guten Kinder zu beschenken. Aber f\u00fcr die schlimmen Kinder legt er eine Rute nieder, denn er ist ein alter rauher Geselle und fackelt nicht lange.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellenverzeichnis<\/h2>\n\n\n\n<p>&#8211; Die Sagen der Stadt Halle und des Saalkreises von Dr. S. von Schulze- Gall\u00e9ra, 1922&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Der Petersberg von Dr. S. Baron von Gall\u00e9ra, Akad. Verlag, Heft 5<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Die Heide, der Hallische Stadtwald von K. S. Baron von Gall\u00e9ra. Akad. Verlag, Heft 6<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Naherholungsgebiet Petersberg, Rat der Gemeinde Petersberg, 1967<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; 1000 Jahre Landsberg, Festschrift vom Rat der Stadt Landsberg, 1961<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Aus Vergangenheit und Gegenwart des Dorfes Lieskau (Saalkreis), 1982<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>In einem anderen Buch habe ich diese Sage\/Erz\u00e4hlung aus Brachwitz gefunden. (Siegfried Neumann &#8211; Sagen aus Sachsen-Anhalt)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Brand von Brachwitz<\/h2>\n\n\n\n<p>Das edle Geschlecht der Herren von Zimmern sa\u00df schon seit dem f\u00fcnfzehnten Jahrhundert auf dem Dorfe Brachwitz an der Saale unterhalb Halle. Einer des Geschlechtes, Valentin von Zimmern, hatte den Rittersitz aus Liebe zu seinem j\u00fcngerem Sohn in einen Oberhof und Unterhof geteilt. Dieser j\u00fcngere Sohn Hermann erhielt also den Unterhof.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es sollte ein Schaden f\u00fcr das ganze Dorf werden. Denn einst wollte er einen Keller auf seinem Gutshofe ausbrennen. Doch das Feuer griff um sich, entz\u00fcndete die Holzbauten und Strohd\u00e4cher des Hofes, und bald stand der ganze Hof in Flammen, ohne da\u00df einer Hilfe bringen konnte, dann der Oberhof, zuletzt das ganze Dorf. Das Pfarrhaus brannte nieder, in ihm alle Akten, und selbst die Kirche wurde nicht verschont.<\/p>\n\n\n\n<p>Hermann von Zimmern musste aber als Schadenersatz zwei Hufen an den Oberhof abtreten. Und da er nun arm geworden, auch sonst liederlich gewirtschaftet, auch keine Kinder hatte, hat er bald darauf den Unterhof verkauft, ist in die Ferne gegangen und verschollen. So hatte die Liebe des Vaters zu diesem mi\u00dfratenen Sohn ihm und dem ganzen Dorfe nur das gr\u00f6\u00dfte Ungl\u00fcck gebracht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sagen und Geschichten haben immer eine ganz eigene Magie. Sch\u00f6n, dass ich auf dieses kleine Heft gesto\u00dfen bin, denn Sagen und Geschichten aus dem Saalekreis sind schon etwas Besonderes. 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