Familienfest 2024

Am 21.09.2024 fand das erste Familienfest in Brachwitz statt.

 

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Der Bergbau bei Brachwitz

Der Bergbau bei Brachwitz

Bekannt ist, dass um Brachwitz Bergbau auf Steinkohle umging. So datiert W.
Schmidt [4] den Steinkohlenbergbau bei Brachwitz in das Jahr 1722.
Hier wurde die Steinkohle in der oberen Teufe abgebaut, denn die Wettiner
Steinkohlenflöze streichen von Wettin her auch unter Brachwitz hin. In einer
Darstellung der Aufschlüsse des Bergbaues zu Brachwitz [20] wird eine Stelle zwischen der Kleinen und Großen Klinke näher beschrieben und die Gewiss-
heit bekundet, dass hier Steinkohle vorhanden ist und von Porphyrgestein
begrenzt wird. In diesem Bericht wird vermerkt, dass die Gesteinslagen über
und unter dem Steinkohlenflöz aus alten Grubenberichten nicht zu ersehen
sind, wohl aber wird von 3 Flözen gesprochen. Die Qualität dieser Kohlen wird von einem Obersteiger Müller höher eingestuft, als die Steinkohlen aus Giebi-
chenstein und des Görwitzer Reviers.
Es heißt weiter: „Es war im Jahre 1764, als schon der Anfang mit dem Abteufen eines kleinen Schachtes am westlichen ausgehenden des Tonschiefergebirges in der engen Schlucht am Saaletal gemacht worden und man auch beschäftigt war, eine Rösche vom Saaletal hinein zu treiben.

Auch war man steht’s in den roten Tonschiefer, aber durch ein Bohrloch nahe am Ellenbusch wurden in dem bläulich grauen Sandstein Kohlen erbohrt. Man teufte darauf einen Schacht (Andreas genannt) ab, und kam nun zur begonnenen Aufschließung dieses Flözes, noch mehr aber des ganzen vorliegenden Gebirges, und gab der Rösche eine andere Richtung und zwar nach diesem Schachte zu. Zum schwunghafteren Betrieb desselben wurde ein Luftloch, die Hoffnung genannt, vorgeschlagen, welches aber dem starken Wasser wegen nicht gänzlich abgeteuft werden konnte, als bis durch Hilfe eines vorher niedergebrachten Luftloches Nr. 2 die Rösche bis dahin durchgetrieben war.“

Mit dem Schacht „Andreas“, dem Schacht „Hoffnung“ wurde weiterhin der „Versuchsschacht“ geteuft. lm Ergebnis einer Untersuchung des benannten Geländes im Februar 2001 konnten der „Hoffnungs-“ und  der „Versuchsschacht“, sowie ein Luftloch und das Stollenmundloch der Rösche lokalisiert
werden. (sind vom Wanderweg leicht erreichbar)

1855 startete ein nochmaliger erfolgloser Versuch der Wiederaufnahme des Steinkohlenbergbaues bei Brachwitz auf der Zeche „Carl Hermann“ sowie bei Lettewitz auf der Steinkohlengrube „Friedrich Wilhelm“.

Die Schächte befanden sich an einer Anhöhe nördlich der Mündung des Morler Baches, Zeugen des Bergbaues sind heute kaum noch nachweisbar.

1790 nahm man auch den Abbau der vorhandenen Braunkohlenlager auf. Die
Grube beschäftigte 1794 12 bis 20 Bergleute. Der Bergbau war sehr einfach,
man räumte den sechs Meter hoch liegenden Sand ab. Die Kohle war sehr
bröckelig und wurde mit der Keilhaue gewonnen. „Der Abbau florierte gar
bald: 1790 = 1 750 Scheffel, 1793 bereits 1 560 Wispel und 1794 = 3 000 Wispel (1Scheffel : 1 Wispel)“ [2].

In einem Schreiben der Königlich Oberberghauptmannschaft Berlin vom 26. März 1825, von Gerhard unterzeichnet [21], wird vermerkt, dass ein Herr Krause Zeichnungen über die in Brachwitz gefundenen Knollensteine

eingereicht und diese „sehr instruktiv und deutlich entworfen sind“. aber die Verrechnung der entstandenen Kosten nach Verfügung vom 18. April nicht stattfinden kann“. Ein weiterer Schriftverkehr [22] liegt über den Eisensteinabbau auf der Distriktzeche Johanna“ bei Brachwitz vor. Am 19. 7. 1852 beschwert sich der Nachbar von Herrn Kübler beim Bergamt Wettin, dass letzterer unter seinem Gartengrundstück in Brachwitz einen wilden Bergbau auf Eisenstein betreibt.

Danach suchen Kübler und ein Herr Richter an anderer Stelle unter Kontrolle
des Bergamtes nach Eisenstein weiter. Es wurden aber nur kleine Nester erschlossen. 1852 hatten beide 199 Zentner gefördert. Das Bergamt wird gebeten, den Eisengehalt ermitteln zu lassen. Für 1855 und 1856 erhielt das Bergamt in Eisleben eine Mitteilung, dass kein Eisenstein gefördert und verkauft
wurde. Nach einer Kontrolle am 28.3.1863 durch den Berggeschworenen
Hackes, wurde Kübler durch seine Haushälterin beschuldigt, in den vorhergehenden Jahren Eisenstein nach Zwickau aus der Distriktzeche „Johanna“ verkauft zu haben. Darauf musste Kübler nachträglich die angefallenen Steuern
nachzahlen. Die Betriebsfrist wurde trotzdem bis 18. 5. 1864 und letztmalig bis 26. 9. 1865 verlängert, dann ging die Zeche in Liquidation.

Quelle: Wanderrouten im Naturpark Unteres Saaletal

Originalseiten:

Die Kirche von Brachwitz

Die Brachwitzer Kirche trägt als eine der ‚wenigen in der Region das Signet „Verlässlich geöffnete Kirche“. Wer sein Auto auf dem neugestalteten Kirchplatz parkt, um das renovierte Gotteshaus zu besichtigen, sollte sich von dessen äußerer Schlichtheit nicht beirren lassen und schon gar nicht von Schultze-Galléras Schilderung: „Wie die Kirche
ist der alte Kirchhof, der sie umgibt, wenig gepflegt, unansehnlich. Ein Paar Pflaumenbäume, ein paar zerzauste alte
Lebensbäume, ein paar versunkene Barockleichensteine – sonst Rasen, verfallene Grashügel …“. Vielmehr ist der
Besucher eingeladen, ins Innere zu treten. Vorausgesetzt, er kommt zwischen dem 1. April und dem 30. September.
In diesem Zeitraum ist die Kirche montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr und an den Wochenenden von 10 bis 18 Uhr als ein Ort der Besinnung und Begegnung zum Besuch und zur Besichtigung geöffnet.

„Die Pfarrkirche ist sehr alt, aber weil die Documenta im Feuer mit aufgegangen, l unbekannt, welchem Heiligen sie gewidmet, und von wem sie den Nahmen fuehre, …“
schreibt]. C. von Dreyhaupt. Andernorts steht zu lesen, das Patrozinium-also die Schutzherrschaft eines Patrons,
dem die Kirche unterstellt wird – ist nicht bekannt. Vermutet wird jedoch, dass es bereits im 10. Jahrhundert eine
hölzerne Kapelle gegeben hat für den ursprünglich sorbischen Ort. Ende des 13. Jahrhunderts muss dann eine
steinerne Kirche existiert haben. Auf deren Fundamenten steht seit etwa 1500 die jetzige Kirchenanlage, die zwischen
1540 und 1550 zur protestantischen Kirche umgewandelt wird. Vom Ursprungsbau aus der Zeit um 1500 bleibt der Westquerturm mit einem beachtlichen sogenannten Stabwerkportal erhalten.

Nichts erinnert sichtbar an den Brand von 1603 oder die Zerstörung 1625 im 30-jährigen Krieg. Eine Tafel berichtet
von der Schenkung einer Taufschüssel 1649 mit Inschrift „Gott geb uns Frieden, Amen“, der umfassenden Erneuerung 1653 und weiterer durchgreifender Erneuerung 1725, der Anschaffung der Orgel 1870 sowie schließlich einer Renovierung und Umgestaltung 1931. Den Besucher empfängt eine helle, freundliche Kirche. Durch die barocken Fenster fällt das Licht auf den Altar, den Taufstein, das Gestühl und die Orgel. An der Empore davor stehen die Namen der vier Reformatoren Martin Luther, Philipp
Melanchthon, Johann Calvin und Ulrich Zwingli. Alles erscheint erst in jüngster Zeit entstanden, Zum Teil stimmt das sogar. Altar, Orgel und Empore sind
zwar wesentlich älter. Aber in den Jahren 2003 und 2004 werden grundlegende Sanierungs— und Renovierungsar-
beiten am Mauerwerk, an den Fundamenten und im Kircheninnern durchgeführt. Ein Aufruf im Juli 2003 zur
Spende für die Arbeiten verhallt nicht ungehört. Gemeindeglieder, Bewohner, Touristen legen tatkräftig mit Hand
an oder spenden. Der Erfölg ist sichtbar. Die Renovierung gipfelt 2004 in einem Handwerkerfest . . .

„Der Durchbruch der Saale durch die Brachwitzer Felsen bietet einen prächtigen Anblick und schöne Punkte dar …“
schreibt Eduard Wießner 1881 in seinem Buch „Die Stadt Halle und der Saalkreis“. Wenn man schon mal dort ist:
Brachwitz liegt unmittelbar an der Saale. Die weithin bekannten und gerühmten Brachwitzer Alpen laden zu Spaziergang, die Brachwitzer Fähre zum Überqueren der Saale ein…

Quelle: Kirchen im historischen Saalkreis

Originalseiten:

Die Fähre Brachwitz

Fähre Brachwitz

Der Saaleübergang in Brachwitz

Ein Bericht von Hans Dieter Paul, erschienen im Heimat Jahrbuch 1995.

Flüsse bilden seit Menschengedenken ein natürliches Hindernis, eine Grenze. Die Überwindung dieser Hindernisse war oft sehr beschwerlich. Auch heute noch sind Flüsse für den rollenden Verkehr ein Hemmnis. Durch das Eingreifen des Menschen ist auch unsere Saale schmaler geworden. Der Flußverlauf wurde begradigt, die Nebenarme und Inseln verschwanden. Im Bereich des Flußüberganges in Brachwitz ist die Saale heute etwa 85 Meter breit.

Fähre Brachwitz

Letzte Fahrt der Fähre Brachwitz — Im Hintergrund die Pontonbrücke

Seit Menschengedenken gibt es auch Versuche, diese Flüsse zu überwinden, sei es, um mit den Menschen auf der anderen Uferseite Handel zu treiben, oder auch, um die Gebiete jenseits zu erobern.

ln urgeschichtlicher Zeit gab es um Brachwitz herum schon eine Besiedlung, die Slawen kamen Jahrhunderte später und bauten einen Burgwall. Ein fränkisches Kastell lag auf der anderen Seite der Saale (Lettin) wohl in Rufweite. So ist es ganz natürlich, es einen „regen“ Verkehr über den Fluß wohl gegeben hat. 1297 wurde Brachwitz als Brachwiz erstmals urkundlich erwähnt. Wann nun das erste Mal eine ständige Fährverbindung über die Saale aufgenommen wurde, wird wahrscheinlich für immer ein Geheimnis bleiben. Es hat sie aber gegeben, diese Verbindung.

So berichtet die Brachwitzer Pfarrerchronik von 1820: „Zu Michaelis (29. September) kam die neue Fähre in Brachwitz an. Holz und Kohle können frei überfahren werden. Vorher wollten die Fährleute von Wettin und Giebichenstein nicht dulden, daß Kohlen überfahren wurden.“ (Heide Bote, Nr. 42, 10.10.1933) Jahrzehnte später wurde aus den Kaolingruben zwischen Morl und Brachwitz mit Pferdefuhrwerken Kaolin über die Fähre nach Dölau bzw. Salzmünde in die Schlämmerei gebracht. Um 1900 war der Domänenpächter Carl Wentzel Eigentümer dieser Gierfähre. Die Fährleute hatten eine besondere schwere Arbeit zu verrichten, wenn Hochwasser war oder ein starker Wind wehte. Jahre später, 1919, sind die Fährleute Eigentümer dieser alten Gierfähre geworden, seit den fünfziger Jahren des 18. Jahrhunderts übten diese schwere Tätigkeit Männer aus der Familie Saalbach aus. Die Reparaturkosten für diese alte Fähre wurden jedoch immer höher. Auch für den zunehmenden Autoverkehr erwies sie sich nicht mehr als geeignet.

Neben der Fähre gab es noch einen Fährkahn, welcher mit Ruder und Staken bedient wurde, für den Personenverkehr. Auch die Fähre mußte wie der Fährkahn an einem Seil hängend mit Staken zur anderen Seite gebracht werden.

Die Gemeinde suchte nach einer Lösung. Der Lehrer Walter Lemme hat in der Schulchronik die Lösung für die Nachwelt aufgeschrieben: „Im Jahre 1929 hat die Gemeinde mit Unterstützung des Kreises und der Provinz ein großes Werk durchgeführt, den Brückenbau. Als im Jahre 1928 durch Bau einer festen Brücke die Schiffbrücke in Mukrena frei geworden war (sie diente als Übergang Alsleben—Mukrena d.V.)‚ kaufte die Gemeinde Brachwitz diese für 13 500 RM. Nachdem Kreis und Provinz ihre Unterstützung zugesagt hatten und die behördliche Genehmigung eingegangen war, begannen nach Ostern die Aufbauarbeiten in Brachwitz. Durch Bau von Anfahrrampen, Verarbeitung neuer Balkenlager‚ Aufbesserung der Pontons und Einrichtung einer elektrischen Aus- und Einfahrt (im Gegensatz zu Mukrena d.V.) erhöhten sich die Kosten des Brückenhauses auf 70000 RM. Am 13. Juli konnte die Brücke dann nach Abnahme durch die Vertreter der Behörden eingeweiht werden. Die Brücke war an diesem Tage reich mit Flaggen und Girlanden geschmückt. Endlich war Brachwitz aus seiner Abgeschlossenheit heraus. Die Brücke wurde erstmalig für den Preis von 8400 RM an den Schiffer Willig-Wettin für die Zeit vom 13. Juli 1929 bis 31. März 1930 verpachtet.”

Um die Pacht hatten sich sechs Interessenten beworben, drei kamen aus Wettin, einer aus Diemitz und aus dem Ort selbst Friedrich Saalbach. In den Unterlagen der Gemeinde ist jedoch die Pachtsumme mit 7000 RM angegeben.

An dem 13. Juli 1929, dem Einweihungstag, es war ein Sonnabend, war die Benutzung der Pontonbrücke kostenlos. Ein Brückenbuch gibt Zahlen für die Benutzung der Brücke am folgendem Tag, dem Sonntag, wieder: 2 leichte Fuhrwerke, 1 Handwagen, 165 Fahrräder, 36 Zweisitzer-PKW, 75 Viersitzer-PKW, 110 Motorräder mit Sozius, 14 Motorräder ohne Sozius und schätzungsweise 1 500 Personen. Viele Menschen benutzten diesen Sonntag bestimmt zum Ausflug nach Dölau, in die Dölauer Heide oder in das bekannte Bad Neuragoczy.

Die Brücke bestand aus Pontons, über die Bohlen gelegt waren. Um den Schiffsverkehr zu gewährleisten, konnten einige Pontons im Bereich der Fahrrinne herausgefahren werden. Ebenfalls konnte die Brücke bei Hochwasser an das Ufer gebracht werden. Die Benutzer der Brücke mußten eine Gebühr bezahlen.

Mit der Errichtung dieser Brücke wurde ein wichtiges Verkehrshindernis beseitigt. Besonders für das naheliegende Bad Neuragoczy mit seinen Ruderregatten und anderen Vergnügungen war diese Brücke von großer Bedeutung.
Am 8. März 1930 wurde die Brücke neu verpachtet, den Zuschlag erhielt dieses Mal der Brachwitzer Bürger Friedrich Saalbach. Die jährliche Pachtsumme belief sich jetzt auf 10200 RM. Die Brücke blieb in der Folgezeit beim Pächter Saalbach.
Der zweite Weltkrieg brachte auch für den Ort Brachwitz einen großen materiellen Verlust. Am 13. April 1945 sprengte der Volkssturm beim Heranmarsch amerikanischer Truppen sinnlos die Brücke und zerstörte sie völlig. Ebenso sinnlos verloren 9 Volkssturmmänner ihr Leben. Die Brücke, 19/27 des Wertes gehörten der Gemeinde und 8/27 dem Saalkreis, hatte nach dem Antrag der Gemeinde auf Entschädigung für einen durch Kriegseinwirkungen entstandenen Schaden einen Wert von über 58000 RM. Viel schlimmer aber war, daß die Verbindung zum anderen Ufer zerstört war. Eine Lösung mußte wiederum gefunden werden.

Am 10. Juni 1945 bereits fand in Brachwitz ein Ortstermin wegen der Wiederherstellung der Schiffsbrücke bzw. Schaffung einer Fähre statt. Daran nahmen teil: Dipl.-Ing. Enger vom Landesbauamt, Dipl.—ing. Strauch von der Firma Dyckerhoff & Widmann, Kreisbaurat Besecke, Bürgermeister Hering, Brückenpächter Saalbach, Ing. Vopel von der Firma Grieseler in Mukrena.

Zu diesem Zeitpunkt gab es eine behelfsmäßige Fähre aus zwei Schuten. Der Fährbetrieb war jedoch sehr mühsam, da die Schuten hoch aus dem Wasser ragten und dem Wind einegroße Angriffsfläche boten.

Folgendes Ergebnis wurde an diesem 16. Juni erreicht: „Wenn wegen der hohen Kosten und wegen der vorhandenen Materialbeschaffungsschwierigkeiten eine Schiffsbrücke nicht gebaut werden kann, so wird es sich empfehlen, anstelle der behelfsmäßigen jetzigen Fähre sobald als möglich eine ordnungsgemäße Einheitsflußfähre zu schaffen. Die Einheitsflußfähre könnte sofort von der Firma Grieseler in Mukrena in
Angriff genommen werden. Die Kosten betragen 16000 RM für die betriebsfertige Anlage.“ (Protokoll vom 20. 6. 1945)

In einem Schreiben der Firma Grieseler vom 21. August 1945 heißt es, daß die eiserne Gierfähre (ungefährer Fertigpreis ca. 18000 RM) bereits in Bau sei und baldigst fertiggestellt sein wird.

Die Amtlichen Mitteilungen der Stadtvemaltung Halle (Saale) teilten am 19. Januar 1946 mit: „Die Fähre über die Saale bei Brachwitz ist ab 16. Januar auf etwa eine Woche gesperrt.“ In dieser Zeit muß die neue Fähre in Betrieb genommen worden sein. Damit war die Isolierung des Ortes vorbei. Diese Fähre, etwa 18 Meter lang und 6 Meter breit, hatte eine Tragfähigkeit von 28 Tonnen. Der Gesamtpreis der Fähre betrug dann 20020 RM.

Im Winter 1946/47 konnte auf die Fähre verzichtet werden, da die Saale so stark zugefroren war, daß Fuhrwerke sie auf dem Eiswege überqueren konnten.

Bis 1961 wurde die Fähre durch Staken der Fährleute und die Strömung des Flusses zum anderen Ufer gebracht. Dann übernahm ein Dieselmotor die schwere Arbeit. Auch der Fährkahn wurde bis 1970 am Fahrseil mit der Hand gezogen. Ein kleiner Motor löste dann die Handarbeit ab. Später wurde dann nur noch mit der Fähre gefahren.

Die Pachtung der Fähre hatte wieder Friedrich Saalbach übernommen. Sein Sohn Fritz stand ihm zur Seite. Beide Saalbachs waren weit über den Saalkreis hinaus bekannt. Nach dem Tod von Friedrich Saalbach in den siebziger Jahren
ging die Fähre wieder in die Hände der Gemeinde zurück.

Fährmann Fritz Saalbach im August 1985

Sein Sohn Fritz blieb der Fähre als Fährmann jedoch treu. Über 40 Jahre war er der Brachwitzer Fähre und der Saale verbunden. Mit seinem Tode 1987 ging auch eine über 100jährige Familientradition zu Ende.

Die Fähre war damals das billigste Verkehrsmittel. Eine Fahrt zum anderen Ufer kostete für eine Person, einen Hund oder eine Ziege nur fünf Pfennige.

Aber der Zahn der Zeit hatte an der Fähre genagt. Sie war altersschwach geworden. Über 40 Jahre tat sie ihren Dienst. lm Januar 1990 kam dann die neue Fähre. Ihr stattlicher Preis betrug 1 Million DDR-Mark. Knapp 2/3 der Summe wurde noch mit DDR—Geld bezahlt. Für die Kosten brauchte die Gemeinde jedoch nicht aufzukommen.

Seit 1994 ist die Fähre an die Firma Schuster verpachtet. Die Fähre tut brav ihren Dienst, ja, wenn da nicht mal das Hochwasser wäre oder ein LKW über die Fähre hinaus in die Saale rollt (so geschehen Anfang Dezember 1994, als ein mit Spreewaldgurken beladener LKW in die Fluten versank). Machen Sie doch einmal wieder einen Ausflug in die Brachwitzer Alpen und eine Fahrt mit der Brachwitzer Fähre über die Saale.

Wir laden Sie ein.

 

 

Quelle: Hans Dieter Paul, Heimat Jahrbuch Saalekreis 1995

Originalbilder:

 

Ortsmuseum Brachwitz

Anmerkung der Redaktion: Leider gibt es das Museum nicht mehr in seiner beschrieben Form.

Neu in Brachwitz: Das Ortsmuseum

Anläßlich der 700—Jahrfeier 1997 wurde im Gebäude des Gemeindeamtes im Ort Brachw1tz eine museale Dauerausstellung eröffnet. Die Bodenräume der ehemaligen Schule lagen ungenutzt. Durch einen Beschluß der Gemeindevertretung war die finanzielle Möglichkeit gegeben. dort auszubauen. Der Boden bekam eine neue Dielung und eine Dachdämmung. Durch den Einbau einer Wendeltreppe ist nun auch der Spitzboden zugänglich. Die elektrische Anlage wurde erneuert bzw. erweitert. Die meisten Arbeiten erledigten ABM-Kräfte. Dem Museum stehen somit drei Räume zur Verfügung. lm großen sind u. a. thematische Sammlungen zur Landwirtschaft. zu ländlichem Haushalt, Korbmacherei. Schule und Feuerwehr zu sehen. Hier befinden sich auch Originale der Ortsgeschichte; so die Schulchronik von 1873 bis ‘1950, das Schulstrafenbuch, Finanzberichte von Mitte des vorigen bis Anfang unseres Jahrhunderts, Registrierungsunterlagen der Bevölkerung durch die amerikanischen Truppen 1945 und manches mehr. Weiterhin sind dort viele historische Aufnahmen des Ortes zu entdecken. Hier können die einzigartigen Bilder der 1945 gesprengten Pontonbrücke über die Saale betrachtet werden. Es war schon ein Erlebnis, als eine der ältesten Bürgerinnen beim Besuch ihr Hochzeitsbild erblickte

lm Spitzboden sind hauptsächlich technische Exponate ausgestellt. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Funktechnik. lm dritten Raum stehen drei Vitrinen mit kleinen Gegenständen aus vorgeschichtlicher Zeit bis hin zur Gegenwart Hauptsächlich befinden sich hier aber Exponate aus den Jahren seit 1945. Historische Landkarten, Originaldokumente der DDR—Gründung., der Originalentwurf des ersten Fünfjahrplanes mit Ulbrichts Unterschrift bilden den Mittelpunkt. Hauptsächlich wird natürlich Material über den Ort gesammelt, aber auch anderes ist ausgestellt oder im Depot gelagert. Drei Schriften und eine Luftbildkarte können von den Besuchern käuflich erworben werden. Die drei Mitarbeiter, die Freizeitmuseologen sind, zeigen natürlich gern den Besuchern die Sammlung. Da es keine ständigen Öffnungszeiten gibt, ist eine Anmeldung unter der Telefonnummer 03 45/5 50 92 XX oder über das Gemeindeamt (03 45/5 50 43 XX) notwendig. Auch für einzelne Personen oder kleine Gruppen sind Führungen möglich. Andere Öffnungszeiten werden über die Presse veröffentlicht. ln den Räumen des Ortsmuseums gibt es auch weitere Veranstaltungen und Sonderausstellungen. Empfohlen wird die Ausstellung den Schulklassen, da es ein „Museum zum Anfassen“ ist. Dank muß allen Bürgern gesagt werden, die uns unterstützen und auch Exponate zur Verfügung stellen. Zur Zeit wird eine Feldschmiede restauriert. lm Sommer können dann ,.Schmiede“ ihr Glück versuchen. Sie waren noch nicht bei uns? Dann kommen Sie, wir freuen uns auf lhren Besuch!

Quelle: Heimat Jahrbuch Saalekreis 1998

Oberamtmann Carl Wentzel

HANS-DIETER PAUL

Oberamtmann Carl Wentzel — 125. Geburtstag *

lm Hauptregister des Standesamtes Brachwitz wurde am 11. Dezember 1876 unter der Nummer 68 vom Domänenpächter Friedrich Phillipp Karl Ludwig Wentzel die Geburt seines in Brachwitz am 09. Dezember 1876 geborenen Sohnes angezeigt. Die Mutter,
Margaretha Sophia Emma Wentzel geb. Becker. hatte den Jungen um vier Uhr vormittags zur Welt gebracht. Seine Vornamen K(C)arl Phillip Emil Kurt erhielt der Sohn erst am 2. Februar 1877.

Die Wentzels hatten die preußische Domäne Brachwitz seit 1811 in Pacht. @ Nach Besuch des Naumburger Domgymnasiums und Studium der Rechte und der Landwirtschaft in Lausanne übernahm Carl 1904 den Betrieb. (3)

Die Brachwitzer Schulchronik vermeidet für das jahr 1905 den Umbau des Wohngebäudes der Domäne:

‚.Der Domänenpächter Leutnant Wentzel beabsichtigt seine Braut, Tochter des Amtsrates v. Zimmermann – Salzmünde, als Gemahlin heimzuführen. Mit seinem pustenden Auto ist er in ein paar Minuten in Salzmünde.“ Im August des folgenden Jahres zog die Gemahlin in Brachwitz ein. 

Nach dem Tode seines Vaters 1907 übernahm Carl Wentzel die Leitung des Gesamtbetriebes und sein Wohnsitz wurde Teutschenthal. Mit Brachwitz blieb er jedoch durch die Domänen-
pachtung eng verbunden. Im Jahre 1923 musste das Kirchendach neu eingedeckt werden. Da das Geld dazu fehlte, lieh es Carl Wentzel. Für die Kirchengemeinde kam die Inflation zur rechten Zeit. Die Schulchronik dazu: ,.Herr Oberamtmann Wentzel konnte die zur Ausführung der Kirchen- und Küstereidachreparatur geliehene Summe mit einem Schlag zurückgezahlt werden, er war der Geschädigte, hat aber den Verlust im Interesse der Kirchgemeinde gern getragen.“ 

Überhaupt war Carl Wentzel ein sehr sozial eingestellter Mensch, der immer dort half, wo Hilfe nötig war. Zeitzeugen konnten mir das in persönlichen Gesprächen bestätigen. In Salzmünde z.B. ließ er eine Wohnsiedlung errichten.

Wentzel bewirtschaftete eine Fläche von über 36000 Morgen als Eigentum oder gepachtetes Land. Die Firma von Johann Gottfried Boltze (1780-1868) kam durch die Heirat mit Ella von Zimmermann
zum Wentzelschen Betrieb hinzu. Der landwirtschaftliche Bereich seines Unternehmens teilte sich in Pflanzen- und Tierproduktion auf. Daneben gab es Betriebe, die landwirtschaftliche Produkte weiter verarbeiteten; wie z. B. Zuckerfabriken, Zuckerraffinerien, Brennereien, Mühlen, eine Kartoffelflocken- und eine Malzfabrik. Zu dem Unternehmen gehörten aber auch Braunkohlengruben, Steinkohlenbergwerk, Kalkbrüche, Kaolin- und Tonbetrieb sowie ein Sägewerk.
Theorie und Praxis wurden verknüpft. ln Salzmünde stand die Saatzuchtanstalt, wo hervorragende Ergebnisse erzielt wurden. Enge Verbindungen hielt Wentzel auch zu Hochschuleinrichtungen. Für seine Verdienste wurde er geehrt. 

Zu den gepachteten Gütern zählte auch das Gut Schochwitz; der Familiensitz derer von Alvensleben. Ludolf – genannt Bubi — von Alvensleben, SS-Gruppenführer, gehörte zur Führungsriege um Himmler, welcher auch der Patenonkel von Alvenslebens Sohn war. Der SS-Mann war bestrebt, dieses Gut wieder in den Familienbesitz zurückzuführen. Reichsführer Himmler unterstützte das Ansinnen. Dadurch kam Carl Wentzel in die Schusslinie der Nationalsozialisten. (9)

Wentzel war bekannt mit dem ehemaligen Oberbürgermeister von
Leipzig. Dr. Goerdeler. Dieser gehörte zum Reusch-Kreis, einer Widerstandsgruppe. Mitglieder dieses Kreises und Goerdeler trafen sich u.a. auch in Teutschenthal. Nach Stauffenbergs Attentat auf Hitler am 20. 1944 wurde auch Wentzel verhaftet. Am 13. November 1944 stand Carl Wentzel vor dem Volksgerichtshof.

Unter dem Vorsitz seines Präsidenten Roland Freisler‚ eines fanatischen nationalsozialistischen Blutrichters, hatte Wentzel keine Chance. Gegen 17.00 Uhr fiel das Urteil: Todesstrafe, das Vermögen verfällt dem Reich. Ein Gnadengesuch wurde abgelehnt. Der Oberamtmann Carl Wentzel starb am 20. Dezember 1944 in der Richtstätte der Strafanstalt Berlin-Plötzensee, elf Tage nach seinem
68. Geburtstag. (9) Erst nach dem Ende des Krieges war es der Familie möglich, den Tod öffentlich anzuzeigen. Am 19. Juli 1945 erschien die Todesanzeige. (1°)

Prof. Hubert Olbrich gibt in seiner umfassenden Darstellung „Carl
Wentzel – Teutschenthal (1876-1944)“ folgende Würdigung Carl Wentzels: „Zu diesen Menschen (die nicht den Verlockungen des Nationalsozialismus verfielen – der Vf.) zählt Carl Wentzel aus
Teutschenthal im Mansfelder Seekreis, ein einfacher, bescheidener, zu jedermann verbindlicher Mensch von bestechender Liebenswürdigkeit, der ein hochkarätiger Großunternehmer war und den wirtschaftlichen Erfolg seines erfüllten Lebens immer zu verbinden wußte mit dem Dienst am Menschen, sei es durch großzügige soziale Einrichtungen in seinen eigenen Unternehmungen, sei es durch Mitarbeit in nationalen und internationalen Verbänden und Vereinigungen. In denen er in uneigennütziger Weise seine Schaffenskraft zum Wohle der Allgemeinheit zur Verfügung stellte. *11


Durch die Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone 1945
wurde der Wentzelsche Besitz wiederum enteignet. Nach der Einheit Deutschlands 1990 konnten die Enkel von Carl Wentzel das Erbe ihres Großvaters weiterführen.

Anlässlich des 125. Geburtstages wurde an der ehemaligen Domäne in Brachwitz eine Gedenktafel enthüllt. Sie enthält folgende lnschrift:

Oberamtmann
Carl Wentzel

* 9.12.1876 + 20.12.1944
In diesem Hause wurde Oberamtmann Carl Wentzel geboren.
Beteiligt am Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurde er
verhaftet, gefoltert und am 20. Dezember 1944 von den
Nationalsozialisten in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Seine letzten Worte vor dem Tode lauteten:
Ich gehe unschuldig. aufrecht und in Liebe zu meiner
Familie in den Tod.

Anmerkungen

*Diese Darstellung soll auf eine Persönlichkeit unserer Region aufmerksam machen. Es ist nicht beabsichtigt eine ausführliche Biografie vorzulegen. Die in den Anmerkungen genannte Literatur gibt ein umfangreiches Quellenmaterial zu Carl
Wentzel wieder. Hervorzuheben ist dabei die Arbeit von Prof. Olbrich, der auf
308 Seiten eine umfassende Würdigung der Leistungen und des Menschen Carl
Wentzel gibt

1 Das Hauptregister des Standesamtes Brachwitz liegt im Standesamt der
Verwaltungsgemeinschaft Wettin.

2 Vgl. Dr. Siegmar Baron von Schultze—Galléra: Das Amt bezw. Domäne Brachwitz
II. in: Heideßote Halle (Saale). 24. August 1933, Nummer 34, Jahrgang 7.

3 Vgl. Dr. Walter Müller: Carl Wentzel – Opfer im Widerstand. in: Sonntagsnachrichten (Halle/Saalkreis), 9.12.2001.

4 Schulchronik Brachwitz. ln: Schriften des Ortsmuseums Brachwitz (Saalkreis),
1996.

5 Ebenda.

6 Vgl. Hubert Olbrich: Carl Wentzel -Teutschenthal (1876-1944). In: Schriften aus dem Zuckermuseum, Heft 14, Berlin 1981.

7 Vgl. ebenda.
8 Vgl. ebenda.

9 Vgl. ebenda.

10 Vgl. Amtliche Mitteilungen der Behörden der Stadt Halle (Saale) und des Saalkreises. Halle (Saale) 19.7.1945.

11 Olbrich, S. 22.

 

Quelle: Heimatjahrbuch Saalekreis 2002

Originalseiten: